Schon Anfang des Jahres fing ich an, eine kleine Tour um die Semana Santa, dem Osterwochenende herum, zu planen oder damals eher noch von so einer zu traeumen. Spaetestens mit den Veroeffentlichungen der Spielplaene wurden diese dann aufgrund der teilweise sehr recht interessanten Begegnungen konkreter. Letztlich kam, nach einigem Hin und Her im Buero, wo ich meine Erlaubniss fuer den Urlaub erst drei Tage vor Beginn dieser bekam, eine sehr interessante Tour durch Teile Argentiniens und Chiles dabei heraus. Hier ein kleines Tagebuch und unmengen Fotos ueber die zwei Wochen in den beiden Laendern.
4. April 2009
Asuncion - Buenos Aires 1.040 km
Mein schon mir bekanntes Hostel in Buenos Aires liegt direkt im Zentrum, unweit der Avenida 9 de Julio, einer der Hauptein

kaufsstrassen. Auf diese ging es auch kurz nach dem Einchecken und bekanntmachen mit meinen beiden gerade kennengelernten Zimmernachbarn. Eine von ihnen ist eine kolumbianische Studentin, die so aussieht, wie man sich

Kolumbianerinnen eben vorstellt, der andere ein Mexikaner, welcher jetzt "fuer einige Monate hier in Buenos Aires ist, um die Stadt kennenzulernen." Vorher war er auch schon fuer einen Monat in Sao Paulo und fuer vier in Rio de Janeiro. Paraguay hat er auch schon kennengelernt, jedoch hat er es in Asuncion nur eine Woche ausgehalten. Ueber die Avenida ging es bis zum am Busbahnhof Retiro liegenden Plaza San Martin. Hier auf dieser Plaza sind im Moment die "Buddy Bears" ausgestellt, welche von jeweils einem K

uenstler seines Heimatlandes individuell gestalltete Baeren sind. Diese Ausstellung startete 2002 in Berlin (weswegen auch wahrscheinlich in Anlenung an den Berliner Baeren dieses Tier gewaehlt wurde) und macht momentan, nachdem sie schon in Staedten wie Hong Kong, Istanbul, Tokio, Seoul oder Sidney zu Gast war, eben in Buenos Aires Station. Deutschlands Baer ist eine Art Collage aus den Wahrzeichen Berlins wie zum Beispiel dem Reichstag, dem Brandenburger Tor oder auch dem Olympiastadion. Paraguays Baer sticht auch ziemlich heraus, da der Kuenstler Rolando Rasmussen ihn in einen gruenen Kunstrasen eingepackt hat und auf diesen einige kleine Tiermodelle "laufen" laesst. Der Baer der Niederlande wirkt beim zweiten Hinschauen ein wenig komisch, da er in seinem Schritt ein Herzchen gemalt bekommen hat, ein "Herzschrittmacher", wie Mischa, als er das Foto dazu sah, so schoen meinte. Allgemeine weitere Informationen zu dieser echt sehenswerten Ausstellung gibt es
hier, zu der speziell in Buenos Aires
hier.
Spaeter am Abend ging es noch zu:
Club Atlético Vélez Sársfield - Club Atlético Banfield 2:1
Primera Division
Estadio José Amalfitani (El Fortin)
12.000 Zuschauer

Beide Seiten, sowohl Velez als Gastgeber als auch die Gaeste, welche zu Spielbeginn noch gar nicht komplett im Stadion waren, wussten sowohl beim Intro zu Spielbeginn als auch waehrend des Spieles nicht zu ueberzeugen. Erst zum Ende des Spieles hin, nach dem Siegtreffer von Velez, wurde die Stimmung besser, teilweise wurden auf Seiten der Gastgeber auch einige Blinker gezuendet. Auch das Spiel war jetzt nicht unbedingt eines, woran man sich noch lange erinnert.
05. April 2009
Buenos Aires - La Plata 54 km
Club de Gimnasia y Esgrima La Plata - Club Estudiantes de La Plata 1:1
Primera Division
Estadio Unico Ciudad de La Plata
42.000 Zuschauer
Eines der ersten Highlights Tour, der Classico Platense. Da ich noch ohne Karte war, habe ich mich direkt nach dem Aufstehen auf den Weg nach La Plata gemacht um dieses Problem schnell zu loesen. Ein bisschen mehr als zwei Stunden vor Anpfiff war ich am Stadion, wo ich mich auch direkt auf die Suche nach einer Karte machte. Mein Taxifahrer versuchte mir dabei ein wenig zu helfen, jedoch kam mir die Person, an welche er fand, ein wenig dubios vor. Die Karte, die mir dieser verkaufen wollte, war mir zu

teuer und machte auch ausserdem einen nicht originalen Eindruck, so dass ich diese ablehnte. Um wenigstens schonmal zu wissen, wie eine Eintrittskarte aussieht, fragte ich einen Jugendlichen, welcher sich zusammen mit seinem Vater und seinem Cousin an genau dem Grillstand, an dem ich war, staerkten, ob diese mir nicht kurz ihre Karte zeigen koennten. Der Vater bot mir dann direkt an, eine Karte besorgen zu koennen, jedoch muesste ich zusammen mit der Barra ins Stadion gehen. Alles ein wenig dubios, jedoch konnte mir der Vater dann, nachdem er zuerst wenige Probleme hatte, letztlich doch fuer gerade einmal 20 Pesos eine Karte besorgen. Nun standen wir also noch ein wenig mit einem Teil der Barra von Gimnasia La Plata zusammen, bis diese sich dann ungefaehr eine halbe Stunde vor Anstoss auf den Weg zum Stadion machte, wo sie von der Polizei alles

andere als nett empfangen wurden. Gluecklicherweise reagierten die Fans aber relativ besonnen auf die teilweise ziemlich brutalen Polizisten, so dass sich der Trubel doch ohne groessere Probleme legen konnte. Als Beispiel fuer den Auftritt der Polizei sei nur angemerkt, dass dem Vater, der mir die Eintrittskarte besorgt hatte, von einem Polizisten mit den netten Worten: "DU kommst hier nicht mehr rein, du kannst gehen! TSCHUESS!!!" der Eintritt verwehrt wurde, nur weil er nicht ohne seinen Sohn, dessen Cousin und mir ins Stadion wollte. Auch wurde oft der Knueppel, teilweise auch vom Pferderuecken aus, geschwungen. Den Hoehepunkt bildete aber der Polizist, welcher vor den Augen aller Fans (anscheinend nicht nur demonstrativ, so wie es sich kurz danach angehoert hat!!!) sein Gewehr durchlud. Natuerlich hatte ich mich waehrenddessen im Hintergrund gehalten und konnte, nachdem der Trubel sich gelegt hatte, ohne Probleme die Kontrollen passieren. Zwar war schon drei Uhr durch, doch der Anstoss war immernoch nicht erfolgt. Um diesen nicht zu verpassen, rannte ich schnell in den aeussersten Bereich der Kurve und warf einen ersten Blick auf das Spielfeld. Mein zweiter Blick ging in die Kurve von Gimnasia, welche mich beinahe umhaute und dass vor dem Stadion erlebte, das Unverstaendniss ueber die Polizei vorerst vergessen liess. Ein unglaublich geniales Bild bot sich mir, unzaehlige kleine Faehnchen, in der Mitte der Kurve einige gespannte Baender, dazu dann noch hellblauer Rauch, einfach nur ein wahnsinniges Bild welches noch dadurch abgerundet wurde, dass wirklich die gesamte Kurve am singen und ausrasten war, einfach nur genial!!! Ich befand mich praktisch im Rausch, achtete gar nicht auf die Kurve von Estudiantes oder auch darauf, ob die Spieler denn nun den Rasen betreten hatten oder nicht. Irgendwann konnte ich mich dann doch wieder fangen, wurde auch durch die Raketenschuesse zum Intro, an denen ich dann auch merkte, dass die Spieler das Feld betreten haben, wieder geweckt, so dass ich mich dann doch auf das Spiel konzentrieren konnte, soweit dies bei so einer wahnsinnigen Kurve moeglich ist. Auch waehrend des Spieles war immer wieder die ganze Kurve brachial laut am singen, so dass der Gegner so gut wie nie zu vernehmen war, obwohl immer Bewegung zu erkennen war. Zur zweiten Halbzeit gab es von Gimnasia ein ziemlich einfaches, jedoch sehr wirkungsvolles Intro. In der Mitte der Hintertortribuene wurden blaue Plastikbahnen gespannt, links und rechts von ihr weisse, so dass insgesamt die komplette

Tribuene abgedeckt wurde. Estudiantes war jetzt, nachdem Gimnasia zum Ende der ersten Halbzeit schon leicht abgebaut hatte, immer lauter zu vernehmen. Ungefaehr eine viertel Stunde vor Schluss ging Gimnasia auf einmal in Fuehrung, was die ganze Kurve wieder zum toben brachte, Gimnasia wartete ja schliesslich schon seit acht Classicos auf einen Sieg gegen Estudiantes. Diese musste jetzt natuerlich Druck machen, viel Zeit blieb nicht mehr. Die Fans von Gimnasia versuchten auch teilweise selbst, Zeit zu schinden und taten dass, in dem sie Estudiantes Juan Sebastian Veron, der vorher auch fuer Inter Mailand oder Manchester United gespielt hat, bei einer Ecke so weit mit Gegenstaenden bewarfen, bis dieser keine Lust mehr hatte, diese auszufuehren. Daraufhin gab es erst eine kurze Diskussion seinerseits mit dem Schiedsrichter, welche dann Spieler von Gimnasia in die Ecke schickten, um die Fans zu beruhigen. Vereinzelte Gegenstaende flogen jedoch immernoch auf Veron, so dass gut 15 (!!!) Polizisten Veron mit ihren Schutzschildern bei der Ausfuehrung der Ecke vor Wurfgeschossen schuetzen mussten. Die Ecke brachte letztlich nichts ein. Nach dieser und noch weiteren Unterbrechungen wurden fuenf Minuten Nachspielzeit vom Schiedsrichter gegeben, welche er in dieser nochmal um gut zwei Minuten verlaengerte, da es wieder einige kleinere Unterbrechungen gab. Gimnasia war die ganze Zeit ueber schon am feiern, Estudiantes verzog sich langsam, da kam auf einmal eine Flanke oder Ecke von rechts in den Strafraum, ein Roter steigt hoch und der Ball landet im Netz, Ausgleich in der letzten Minute. Wahnsinn, in einem eigentlich schon verloren geglaubtem Classico mit der letzten Aktion des Spieles den Ausgleich gegen den Feind zu markieren und so mit einem gefuehltem Sieg das Spielfeld zu verlassen. So sehen es neben den Fans von Estudiantes, die auf der anderen Seite des Stadions komplett am ausrasten und feiern sind, auch die Hinchas von Gimnasia, welche nach dem Tor und dem direkt danach erfolgtem Abpfiff geschockt dastehen.
La Plata - Buenos Aires 54 kmStatt mich nach dem Spiel mit Janni, dem in Buenos Aires lebenden Dortmunder, und den anderen Deutschen nun zu treffen, blieb ich noch ein bisschen in La Platas

Innenstadt, auf dessen Plaza eine

Art Hippiemarkt mit einigen kleineren Konzerten stattfand. Erst zwischen zehn und elf Uhr Abends machte ich mich langsam auf zum Terminal, von wo aus ich dann einen Bus nach Buenos Aires nahm. Dieser kostet zwar einiges mehr als eine Zugfahrt dorthin, jedoch hatte ich wenig Lust, noch um dieser Uhrzeit mit dem relativ langsamen Zug durch die Gegend zu fahren. Da die Subte (Buenos Aires` Metro ) nur bis 23 Uhr Nachts faehrt, musste ich einen zweiten Bus bis zum Retiro nehmen, von wo aus ich dann zu Fuss zurueck zum Hostel ging. So konnte ich mir noch einmal ungestoert von Touristen auf der Plaza San Martin die Ausstellung anschauen. Vorher habe ich mir noch kurz das sich auch auf der Plaza San Martin befindliche Denkmal fuer die Gefallenen im Falklandkrieg angeschaut. Gemaechlichen Schrittes ging es hinterher ueber die Einkaufsstrasse Avenida Florida zurueck zu meinem Hostel.
06. April 2009
Club Atlético Excursionistas - Club Atlético Defensores Unidos 0:0
Primera C
Estadio La Pampa
350 Zuschauer
Heute hatte ich keine grosse Auswahl an guten Spielen und so entschied ich mich in den Stadtteil Belgrano zum Spiel vom Aufstiegsanwaerter Excursionistas gegen den Abstiegskandidaten Defensores Unidos zu fahren. Eigentlich sollte einem diese Konstellation schon abschrecken, da man eigentlich im Vorfeld schon damit rechnen kann, dass der Aussenseiter eher defensiv auftreten wird.
Mit dem Zug ging es fruehzeitig los, doch da dieser Stadtteil zwei Bahnhoefe hat, welche von zwei verschiedenen Unternehmen angefahren werden, was ich vorher nicht wusste, kam ich am weiter entfernten Bahnhof an. Mit meinem guten Zeitpolster konnte ich die 20- 25 Quadras jedoch locker zu Fuss meistern und kam nur kurz nach dem Anstoss an. Auf dem Weg konnte ich mir schon ein erstes Bild vom mir bisher nur vom Hoerensagen bekanntem Barrio machen, welcher wohl zu einem der besseren von Buenos Aires gehoert. Bessere Laeden, bessere Autos, bessere Haeuser und auch nicht gerade billige Friseure/ Schoenheitssalons zeugten Beispielsweise davon.
Obwohl das Spiel an einem Montagnachmittag zur fanunfreundlichen Zeit von 15:30 Uhr angepfiffen wurde, hatte sich hinter einem Tor eine Fangruppe formiert, welche auch einige Fahnen aufgehaengt sowie Baender im Block gespannt hatten und versuchten, fuer S

timmung waehrend des Spieles zu sorgen. Auch auf der Tribuene war das Publikum eher gemischt. So sah man nicht nur Rentner oder Schueler sondern teilweise auch Herren und Damen, welche wohl gerade direkt von der Arbeit kamen, einer von ihnen musste sogar nach der ersten Halbzeit wieder dahin aufbrechen. Die Gaeste Club Defensores (Verteidiger) wurden ihrem Namen mehr als gerecht und versuchten mit allen moeglichen Mitteln, das 0:0 ueber die Zeit zu bringen, was letztlich auch gelang. Ein Spiel zum abgewoehnen, was auch das Haupttribuenenpublikum so sah, welches zum Ende des Spieles hin immer heftiger gegen den Gegner am poebeln war.
Statt hinterher direkt wieder ins Zentrum von Buenos Aires zu fahren, entschied ich mich spontan dazu, noch ein wenig in diesem Stadtteil zu verweilen und bin so noch ein wenig in Belgrano spazieren gegangen.
07. April 2009
Nach dem Aufstehen irgendwann am fruehen Mittag ging es, nachdem die
Ole zum lesen sowie einige der richtig guten Alfajores (Kekse, die mit "Dulce de Leche", einer

kremigen "Suessigkeit aus Milch", gefuellt sind und oft mit Schokolade oder Zuckerguss (!!!) umhuellt sind) zum Fruehstueck besorgt wurden,

ging es die Avenida de Mayo hoch zur "Placa del Congresso", welche, wie der Name schon sagt, direkt am Kongressgebaeude steht, um dort bei schoenstem Sonnenschein zu fruestuecken und das Gefuehl, in Buenos Aires zu sein, zu geniessen. Nach diesem Fruehstueck wurde die Gegend um den Kongress herum ein wenig

erkundet, bis es langsam die Avenida de Mayo runter zur als Praesidentenpalast genutzten Casa Rosada, welche auf der Plaza de Mayo steht. Neben der Casa Rosada stehen hier auf der Plaza noch die "Banco de la nacion", eine Kathedrale sowie einige Regierungsgebaeude. Dieser Platz, welcher

auf dem Gruendungsgebiet der Stadt Buenos Aires liegt, ist nicht nur wegen dieser Gebaeude bekannt, sondern auch dadurch, dass waehrend der Militaerdiktatur Argentiniens in den 1970er und 1980er die Muetter der verschwundenen Personen sich hier versammelten und auf das Verschwinden vieler Personen aufmerksam machten. Spaeter ging es fuer mich noch ins Nahe gelegene San Telmo, einem Stadtteil mit sehr viel Charme, der Grossteil des

Stadtteils steht sogar unter Denkmalschutz. Dieser Barrio ist einer der aeltesten von Buenos Aires. Auffallend tut hier die grosse Anzahl an Antiquitaetengeschaeften, im schon Ende des 19. Jahrhunderts eroeffnetem Markt gibt es sogar einen eigenen Antiquitaetenbereich, wo es allerlei alte Schaetze zu finden gibt. Hiernach ging es vorbei an der Uni zu einem Teil des Hafens, wo ich mich erstmal nach diesem bis jetzt recht laufintensivem Tag ein wenig entspannte, bis es zum Nahe gelegenem Retiro ging um von dort einen Zug nach Nuñez zu nehmen.


Nuñez ist ein reicherer Stadtteil und dank seines hier beheimatetem weltberuehmteten Fussballvereines River Plate, von denen ich mir nun ein Spiel anschauen wollte, bekannt.
Club Atlético River Plate - Club Nacional de Football 0:0
Copa Libertadores Segunda Fase
Estadio Antonio Vespucio Liberti (El Monumental)
ca 38.000 Zuschauer
Nuñez ist wirklich eine sehr feine und reiche Gegend und deswegen auch mit einer der Gruende, weswegen River Plate zum Spitznamen "Millionarios" kam. Eine Eintrittskarte konnte ich normal am Ticketschalter kaufen,

so dass ich das Stadion, nachdem ich von der Polizei erstmal sinnlos hin und her geschickt worden bin, das Stadion zeitig betreten konnte. Dieses ist mit einer Kapazitaet von ca 66.000 das groesste Argentiniens und gleichzeitig das Nationalstadion. Aufgrund dieser Groesse werden hier auch oft Konzerte gespielt so wie zum Beispiel Madonna im letzten Dezember.
Die bisherige Copa- Saison River`s lief eher weniger zufriedenstellend und so musste River, um die Chance fuer die Qualifikation zur naechsten Copa- Runde aufrecht zu erhalten, unbedingt gewinnen. Doch auch Nacional benoetigte einen Sieg und so waren, nachdem man River drei Woche vor diesem Spiel mit 3:0 zu Hause besiegt hatte mindestens 2.500 Uruguayer ihrer Mannschaft gefolgt. Kurz vor Spielbeginn betrat dann Rivers bekannte Barra "Los borrachos del tablon"

(was soviel heisst wie "Die Betrunkenen von der Theke", ein sehr komischer Gruppenname) die Tribuene. Zuerst postierten sich die Musiker und die Leute mit in vereinsfarben gehaltenen Schirmen oder auch einigen wenigen Fahnen im Bereich der Barra, wo schon einige Baender gespannt waren. Der Grossteil der Barra sammelte sich jedoch noch im Eingang, heizte hier ein wenig die Kurve ein Bzw liess sich eher von ihnen mit einem extra fuer sie gesungenem Lied feiern bis sie, unter einem grossem rot-weiss-schwarzem Band, ins Stadion stuermten. Sah der Einmarsch der Barra mit den ca 250 Hinchas, die geschlossen die

Kurve stuermen, noch gut aus, war das Intro zum Spiel selber jedoch sehr enttaeuschend. Wurde auf Gaesteseite wenigstens noch eine Fackel entzuendet, gab es auf der Heimseite nichts zu sehen. Waehrend des Spieles uebertrug sich die Stimmung auch nur selten auf die ganze Kurve, meistens wurde sie nur von der Barra selber getragen. Nacional wusste hier doch besser zu ueberzeugen, was aber auch am Spiel lag, in dem sie einige Chancen hatte, dieses zu gewinnen. Leider blieben diese ungenutzt und da auch River seine Chancen nicht nutzen konnte, blieb es bei einem 0:0, meinem
zweiten innerhalb von zwei Tagen. Den Hoehepunkt des Spieles hatte River, die nach ca 25 Minuten drei 100%ige Chancen hatten, bei denen der Ball zuerst frei vor dem Torwart stehend aus ca 13 Metern Entfernung an die Latte geschossen wurde, der Ball direkt

vor die Fuesse eines Teamkollegen landete, welcher jedoch nur den Torwart anschoss, von welchem der Ball abprallte und einem weiterem Riverspieler vor die Fuesse fiel. Dieser schaffte es jedoch nur, den auf der Torlinie stehenden Nacionalverteidiger anzuschiessen. Unglaublich, welch Unvermoegen :D Insgesamt wurde waehrend des gesamten Spieles drei- oder viermal nur das Aluminium getroffen.
Auf der Rueckfahrt kam ich im Zug noch in den Geschmack von ein wenig Livemusik, so versuchte ein Herr mit seiner E- Gitarre naemlich die Fahrgaeste zu unterhalten.
Da die Subte zu der Uhrzeit, an der ich wieder am Retiro ankam, natuerlich wieder geschlossen hatte und ich mich weder mit dem Bussystem in Buenos Aires richtig auskenne noch gross Lust hatte, dieses gegen ein Uhr Nachts auszuprobieren, ging es fuer mich den langsam schon gewohnten Weg ueber die Avenida Florida zurueck zum Hostel.
08. April 2009
Buenos Aires - La Plata 54 km
Nachdem ich ausgeschlafen hatte legte ich einen ruhigeren Tag ein, spazierte ein wenig durch das Zentrum oder auch die Avenida 9 de Julio, einer mehr als 18- spurigen Strasse, auf der auch der Obelisk steht, rauf und runter, bis ich mich abends auf den Weg nach La Plata zu einem weiterem Fussballspiel machte.
Club Estudiantes de La Plata - Cruzeiro Esporte Clube Belo Horizonte 4:0
Copa Libertadores Segunda Fase
Estadio Unico Ciudad de La Plata
ca 38.000 Zuschauer
Vom Retiro aus ging es mit dem "Trem Rapido" nach La Plata, welcher trotzdem jedoch gut 1 1/2 Stunden fuer die Fahrt brauchte. Obwohl ich doch relativ spaet losgefahren bin und der Zug auch nicht an meiner Haltestelle gehalten hat, so dass ich in La Plata nochmal eine Station zurueck fahren musste, kam ich, beguenstigt dadurch, dass Cruzeiro`s Bus in einen Stau geriet und dadurch ungefaehr eine Stunde spaeter am Stadion eintraf, als diese wollten, doch noch puenktlich am Stadion an.
Die Wege von Cruzeiro und mir kreuzen sich seit gut zehn Jahren immer mal wieder. Nicht nur, dass Cruzeiro aus Belo Horizonte,

einer Nachbarstadt vom Geburtsort meiner Mutter, kommt, so dass ich eigentlich alle zwei Jahre waehrend meiner Ferien in Brasilien viele Fans dieses Vereins kennenlernte und Freunde nennen darf, sondern natuerlich auch das Finale des Weltpokales meines Vereines Borussia Dortmund, welches sie 1997 in Tokio gegen Cruzeiro gewannen. Ausserdem war das erste Fussballspiel in Suedamerika, welches ich sah, direkt der Classico zwischen Cruzeiro und Atletico Mineiro. In Cruzeiro`s Kurve durfte ich bei einem Spiel von ihnen gegen Sao Paulo auch mal reinschnuppern, leider war diese an jenem Tag jedoch nicht so gut aufgelegt.
Als ich endlich im Stadion war fingen gerade die Spieler von Cruzeiro an, sich aufzuwaermen, wozu sie jedoch nicht viel Zeit hatten, da Estudiantes relativ schnell schon auflief. Von den

Fankurven, diesmal waren beide fuer Estudiantes geoeffnet und die Barra versammelte sich komischerweise dort, wo wenige Tage vorher Gimnasia stand, wurden sie mit einigen Raketen sowie roten Rauch empfangen. Cruzeiro war mit ungefaehr 65 Leuten angereist und empfing ihre Mannschaft wenig spaeter mit einigen laenglichen Luftballons. Dank des fuer Estudiantes guten Spielverlaufes war die Stimmung ziemlich gut, so stimmte oefters auch das ganze Stadion in die Gesaenge mit ein. Leider durfte ich mir auch des oefteren nette Gesaenge mit Passagen wie "...putos brasileiros...." oder aehnlichem anhoeren. Naja, Fussball halt... Cruzeiro gab eine ziemlich schlechte Visitenkarte ab, spielte ziemlich enttaeuschend und verlor das Spiel aergerlicherweise (schliesslich hege ich doch leichte Sympathien fuer diesen Verein) mit 4:0.
La Plata - Buenos Aires 54 km
Nach dem Spiel hatte ich zuerst leichte Probleme, mein Geld fuer den sich im Bus befindlichen Ticketautomat gewechselt zu bekommen. Beim suchen nach jemanden, der mir meinen zwei Pesos Schein wechseln koennte, lernte ich dann Ignacio kennen, einen Herren, mit dem ich ziemlich schnell ins Gespraech kam, da er auch fuer einige Zeit in Berlin sowie in Belo Horizonte gelebt hatte und sich so Gespraechsthemen ergaben. Zusammen mit ihm fuhr ich dann zurueck nach Buenos Aires. Auf dieser Fahrt hatte ich dann noch einen illusteren Sitznachbarn, welcher sein Englisch wohl auf Internetseiten wie youporn.com oder aehnlichen gelernt hatte. Ziemlich spaet, oder frueh, je nach Betrachtungsweise, in Buenos Aires angekommen, ging es mit Ignacio noch was trinken, so dass ich erst im Hostel ankam, als meine Zimmernachbar schon am fruehstuecken waren.
09. April 2009
Club Atlético Boca Juniors - Club Guarani 3:1
Copa Libertadores
Estadio Alberto Jacinto Armando (La Bombonera)
ca 40.000 Zuschauer
Nachdem ich in Asuncion schon das Hinspiel zwischen Guarani und Boca besucht hatte, sollte es nun also das Rueckspiel sein. Leider habe ich es hierbei aber, teilweise sogar im wahrsten Sinne des Wortes, verschlafen, mir eine Eintrittskarte im Vorverkauf zu sichern, so dass wieder nur

der Schwarzmarkt fuer mich uebrig blieb. Ziemlich aergerlich, muesste ich ja so nicht nur viel mehr zahlen sondern hatte ich ja auch schon nicht gerade die besten Erfahrungen mit diesem gemacht. Ein Treffen mit Janni, welcher eigentlich auch zu diesem Spiel wollte, hat leider nicht geklappt und da ich den Herren Linke aus Hannover, oder eher er mich, nicht am Parkplatz finden konnte, musste ich alleine auf Kartensuche gehen. Die Karten, die im Vorverkauf 30 Pesos gekostet haben, wurden mir nun teilweise fuer 100 Pesos oder mehr angeboten, was mir deutlich zu teuer war. Meine mir vor dem Spiel gesetzte Grenze, wieviel ich hoechstens zahlen moechte, vergass ich immer mehr, nachdem ich das flutlichterleuchtete Stadion sah und die Fangesaenge hoerte, so dass ich weitersuchte. Hierbei lernte ich zwei andere Jugendliche kennen, mit denen wir nun zusammen suchten. Leider hatten wir auch zu dritt wenig Glueck und so entschlossen wir uns als letzte Moeglichkeit, wenige Minuten vor Anstoss, dass sich wirklich sehr unserioes anhoerende Angebot eines Mitgliedes der Barra "La Doce" anzunehmen, welcher meinte, dass er uns, falls wir ihm je 100 Pesos gaben, ins Stadion bringen wuerde. Man hoert ja immer einiges von dieser Bzw den Barras allgemein, kriegt dies auch ein wenig mit, wenn man einige Spiele gesehen hat, so dass ich, nachdem die anderen sich nach langem ueberlegen doch entschlossen, ihm zu vertrauen, das Geld gaben und wir zusammen losgingen. Unsere Gruppe, welche aus ungefaehr zehn Leuten bestand, hatte zusammen mit ihm bei den ersten zwei oder drei Kontrollen, wo er mit den Kontrolleuren kurz redete, bei einer reichte sogar ein einfaches "Gehoeren zu mir, La Doce", kein einziges Problem. Schliesslich befanden wir uns auf dem Spielerparkplatz, direkt vor dem Stadion, waehnten uns beinahe schon im Stadion und auf der Tribuene, als der Typ auf einmal anfing zu rennen. Wir natuerlich hinterher, doch er verschwand durch eine letzte Tuer, durch die letzte Kontrolle und war im Stadion, waehrend uns natuerlich, da wir keine Karten besassen, der Einlass verwaehrt wurde. Super,

super, super,
nachdem das erste Spiel, welches ich dort besuchen wollte, nach 16 Minuten wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgebrochen wurde und mir beim zweiten Spiel eine "gefaelschte" Eintrittskarte verkauft wurde, wuerde ich als Paraguayer jetzt wohl sagen, dass La Boca
"mein August" ist. Gluecklicherweise durften wir, nachdem wir einigen Ordnern unsere Geschichte erzaehlt hatten und an der letzten Kontrolle ein Schmiergeld von je 10 Pesos bezahlt hatten, doch zur zweiten Halbzeit das Stadion betreten. Hier im Stadion kam ich dann auch leider nur in den Block von "La Doce" rein, was mich in dem Moment jedoch nicht interessiert hat. Hier konnte einer meiner neuen Bekannten auch unseren "Freund" wieder erspaehen, wie er auf einem Wellenbrecher stehend die restlichen Leute mit angeheizt hat. Anscheinend ist er also wirklich bei La Doce gewesen und war dort auch nicht gerade unbekannt. Naja.... Zu Beginn der zweiten Halbzeit stand es schon 2:0

fuer Boca, das Spiel war also eigentlich schon entschieden. So spielte Boca nun auch weiter und konnte, nachdem Guarani zwischenzeitlich den Anschlusstreffer erzielte, per Elfmeter den 3:1 Endstand erzielen. Von der Stimmung war ich, auch wenn es einige gute Momente gab, ein wenig enttaeuscht. Zwar versuchte La Doce nahezu durchgaengig fuer Stimmung zu sorgen, jedoch stimmte teilweise sogar in deren Block nicht jeder mit ein. Bei einem Gegner wie Guarani habe ich jedoch auch nicht erwartet, dass das ganze Stadion am durchdrehen ist.
Spaeter Abends bin ich dann noch mit David und Gabriel, den beiden vor dem Stadion kennengelernten Typen, sowie einem aus Salta noch ein wenig was essen gegangen um danach zurueck ins Hostel zu fahren.
10. April 2009
Buenos Aires - Mendoza 990 km
Nach einer Woche stand der Abschied aus Buenos Aires an. Mein Bus in Richtung Westen des Landes sollte am fruehen Abend fahren, so dass ich noch die Moeglichkeit hatte, vorher noch ein weiteres Fussballspiel zu besuchen.
Club Atlético Colegiales - Club Atlético Almirante Brown 3:0
Primera B
Estadio Colegiales Bajo Munro
ca 500 Zuschauer
Hier hatte sich eine kleine Fangruppe mit einigen gespannten Baendern, Fahnen und

Schirmen hinter einem Tor versammelt, welche fuer ein Freitagnachmittagsspiel fuer richtig gute Stimmung sorgten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde sogar eine kleine Blockfahne praesentiert.

Der Aufsteiger Colegiales hatte mit dem Absteiger Almirante Brown wenig Probleme und konnte das Spiel mit 3:0 fuer sich entscheiden, wobei ich jedoch nur die ersten beiden Tore mitbekam, da ich mich ungefaehr zehn Minuten vor Abpfiff schon auf dem Weg zurueck zum Bahnhof machte, um einen frueheren Zug zum Retiro zu nehmen.
Hier traf ich zufaellig noch auf Ignacio, dem Typen aus La Plata. Mit ihm verbrachte ich noch die restliche Zeit bis ich dann meinen Bus nach Mendoza besteigen musste.
11. April 2009
In Mendoza angekommen, ging es zuerst daran eine Bleibe zu suchen. Nachdem dies erledigt war, schlenderte ich erst ein wenig durch die Stadt und machte mich dann auf zum fuer die naechsten Tage vorerst letztem Fussballspiel.
C.D. Godoy Cruz Antonio Tomba - C.A. Gimnasia y Esgrima de Jujuy 2:2
Primera Division
Estadio Malvinas Argentinas
12.000 Zuschauer
Dieses Spiel war ueberraschenderweise relativ gut anzuschauen. So stand der Gastgeber Godoy

Cruz schon nach 20 Spielminuten mit einem Spieler weniger auf dem Feld, blieb jedoch trotzdem ebenbuertig und konnte zweimal den Rueckstand ausgleichen. Auch stimmungsmaessig konnte Godoy, spaetestens nachdem deren Barra nach ca 20 Minuten das Stadion betrat, ueberzeugen. So wurde unter anderem eine grosse Blockfahne praesentiert, ausserdem gab es noch eine Reihe an Fahnen. Aus Jujuy kamen relativ wenige Leute, die auch zum Grossteil nicht geschlossen standen, so dass von ihnen keine Stimmung ausging. Optisch wusste wenigstens ihre mitgebrachte Blockfahne zu gefallen.
Nach dem Spiel ging es auf den nahe gelegenen Berg "Cerro de la Gloria", welchen ich erst bei

schon ansetzender Dunkelheit vollstaendig besteigen konnte. Das sich auf dem Berggipfel befindliche Denkmal ist auf der Rueckseite der 5- Pesosnoten abgebildet.
Spaeter abends machte ich mich langsam auf dem Weg zurueck und spazierte, nachdem ich nach einiger Zeit den Weg zurueck gefunden hatte, noch ein wenig durch die Innenstadt, bis ich mich in mein Hostel begab.

12. April 2009
Heute hatte ich zwar auch wieder eine Reihe an Fussballspielen zur Auswahl, doch zog ich es vor,

mir ein wenig die Stadt

anzuschauen, Montag sollte es ja schon weiter gehen. So ging es also am vormittag ins Nahe gelegene Zetrum und dort zuerst auf die Plaza Independencia. Schon hier fiel einem auf, wie gruen die Stadt ist und wie breit ihre Strassen gebaut sind. Dies liegt anscheinend daran, dass die Stadtverwaltung nach einem Erdbeben die Stadt so bauen liess, um beim naechsten Erdbeben glimpflicher davon zu kommen.
Nach der Plaza Independencia kam langsam das restliche Zentrum ran. Die Stadt ist zwar sehenswert, jedoch denkt man nach kurzer Zeit schon, dass man dies alles schonmal gesehen hat.
13. April 2009
Mendoza - Valparaiso 260 km
Vormittags aus dem Hostel ausgecheckt, ging es per Bus ueber die Anden nach Chile. Valparaiso, eine mittelgrosse, unweit von Santiago de Chile, gelegene Hafenstadt, welche seit einigen Jahren zum UNESCO- Weltkulturerbe zaehlt, war das Ziel. Die Fahrt tagsueber zu machen hat sich echt gelohnt, da es wirklich wunderschoen ist, durch die Anden zu fahren.
An der Grenze wurde ich zwar vom argentinische Grenzbeamte zwar auf meine ganzen argentinischen Stempel im Reisepass angesprochen und gefragt, ob ich hier in Argentinien studieren wuerde, ich "reise ja staendig ein und aus", ansonsten gab es jedoch keine Probleme.







Am fruehen Abend erreichte ich Valparaiso und fand auch schnell ein Hotelzimmer welches unweit vom Busbahnhof und genau gegenueber vom chilenischen Kongress, welches in Valparaiso und nicht in Santiago liegt, war. Hier kurz "eingerichtet", ging es direkt hinaus, um zuerst was zu Essen zu beschaffen und danach ein wenig in Uninahe entlang zu spazieren.
14. April 2009
Ein bisschen waermer eingepackt ging es vormittags schon raus um die Stadt ein wenig besser kennenzulernen.

Diese macht dadurch, dass sie in die um die Bucht herumliegenden Berge gebaut worden ist,

einen sehr beeindruckenden Eindruck, welcher durch die bunten Haeuser, den engen Gassen oder auch teilweise dem Kabelgewirr noch verstaerkt wird.

So spazierte ich also durch die Strassen und engen Gassen und liess Valparaiso auf mich wirken. Zwischendurch nahm ich noch einige mal einen "Ascenso", einer Art Aufzug oder Seilbahn, mit welchen man auf die hoeher gelegenen Bereiche der Stadt fahren kann. Von einem dieser Aufzuege aus kann man, wenn das Wetter mitspielt, was es leider nicht 100%ig gemacht hat, einen wunderschoenen Blick auf die Stadt, den Hafen sowie dem Pazifischen Ozean haben.





15. April 2009
Valparaiso - Santiago de Chile 100 km
Heute sollte es nach Santiago, der Hauptstadt Chiles, gehen. Wochentags pendeln die Busse hier halbstuendig zwischen Valparaiso und Santiago, so dass ich schnell schon in einem Bus sass.

Fuer die Strecke benoetigte der Bus ungefaehr zwei Stunden und kam dabei an wirklich sehr schoenen Landschaften vorbei, so dass man sich durchaus wuenschen koennte, dass die Fahrt noch ein wenig laenger dauert. Nur zum Ende der Fahrt hin, als man irgendwann dann endlich begriffen hatte, dass der ganze graue Nebel dort hinten die Smogwolke Santiago´s ist, konnte man einen leichten Schock bekommen. In Santiago angekommen ging es nach einer kurzen Orientierungsphase auf in ein von Lonely Planet empfohlenes zentrumnahe gelegenes Hostel. Hier zeigte sich nochmal, dass Chile um einiges teurer als Paraguay oder auch Argentinien ist, da mich dieses trotz Ermaessigung als DJH- Mitglied 8.500 chilenische Pesos, was knapp 12 Euro sind, kostete.
Kurz ein wenig in der Innenstadt umgeschaut ging es auch zum Nationalstadion um mir das Copa Libertadoresspiel zwischen den im Volksmund "La U" genanntem Verein Universidad de Chile und Gremio anzuschauen.
C.d.F.P. de la Universidad de Chile - Gremio Foot-Ball Porto Alegrense 0:2
Copa Libertadores
Estadio Nacional
ca 40.000 Zuschauer
Bekannt wurde dieses Stadion leider nicht unbedingt direkt durch besonders einpraegende Fussballspiele sondern viel eher dadurch, dass es kuz nach der Machtergreifung des Militaers 1973 dem General Pinochet und seiner Diktatur als Konzentrationslager fuer politisch Gefangene diente. So waren zwischenzeitlich ungefaehr 40.000 Personen inhaftiert.
Schon ungefaehr eine halbe Stunde vor Anstoss herschte im Stadion

schon eine geniale Stimmung, auch optisch wusste die Kurve La U`s, welche von manchen als die beste weltweit angesehen wird, mit laenglichen blauen und roten Ballons zu gefallen. Kurz vor Spielbeginn fing das Stadion an, die Mannschaft mit Gesaengen auf das Spielfeld zu fordern. Als diese den Rasen endlich betrat, gab es in der Kurve ein unglaublich chaotisches Intro zu sehen.

Zu den Ballons, welche alle nach oben geworfen wurden, gesellten sich noch Luftschlagen, ein wenig blauer und roter Rauch sowie ein paar Fackeln, spaeter wurde noch eine grosse Trikotfahne praesentiert. Unglaubliche Bilder, genau so stellt man sich eine suedamerikanische Kurve vor, schoen chaotisch, nur geil...
Auch die Stimmung stand dem selten in nichts nach, so stimmte oft die gesamte Kurve in die melodioesen Lieder mit ein oder war am huepfen. Beeindruckend hier

war vor allem, dass nach dem Treffer zum 0:2 nicht wieder nur der uebliche kleine Haufen seine Lieder sang und der Rest des Stadions schwieg, sondern weiter die ganze Kurve in die Lieder mit einstimmte und sogar wieder einige Fackeln entzuendet wurden. Der Gast aus Brasilien war mit immerhin ungefaehr 100 Leuten angereist, von welchen man jedoch das ganze Spiel ueber wenig mitbekam. Trotzdem ist dieses Spiel nur von der Stimmung, nicht vom Spiel her, mit Sicherheit eines der Top- Spiele, die ich je erleben durfte.
Um zurueck in die Innenstadt und zum Hostel zu kommen, wollte ich eigentlich wieder die Metro nehmen, welche jedoch schon geschlossen hatte. Darueber freute sich der Polizist, welcher

dies mir mitteilte, eigentlich schon fast darueber, zumindest muss man sein dickes Grinsen so deuten. Sehr sympathische Berufsgruppe... So musste ich mit dem Bus zurueck ins Zentrum fahren. Hier in Santiago benoetigt man fuer die Busse sogenannte "Bib"- Karten, welche mit Fahrten aufgeladen und im Bus an ein spezielles Geraet gehalten wird, welches die Fahrt abrechnet. Die Fahrt kann man so nicht direkt beim Fahrer bezahlen, was spontane Fahrten wohin erschwerden. Da ich erst seit wenigen Stunden in der Hauptstadt war, wusste ich davon nichts und konnte mir so auch keine Karte besorgen. Gluecklicherweise war dies aber kein Problem, da mich der Busfahrer dann doch so mitnahm.



16. April 2009
Nach dem Aufstehen ging es erstmal auf zur Avenida Alameda, wo ich aufgrund der hohen Polizeipraesenz direkt stutzen musste. Fuer heute war naemlich eine Demonstration unter dem Motto "Das Volk/ der Arbeiter zahlt nicht fuer die Krise!", angekuendigt. Spaeter am Tag bekam ich noch mit, wie einige Aktivisten auf das Denkmal vor dem Praesidentenpalast

kletterten um dort eines ihrer Spruchbaender zu entrollen. Ziemlich schnell waren dann aber auch die Polizisten da, um diese in Gewahrsam zu nehmen.
Vorher musste ich mich jedoch auf zum Busbahnhof und, nachdem ich dort eher enttaeuschendes gehoert hatte, weiter zum Flughafen, um mich endlich mal langsam um meine Rueckfahrt nach Asuncion zu kuemmern, welche

spaetestens am Montag fuer mich anstand. Da ein Bus Richtung Asuncion Santiago scheinbar nur dreimal die Woche verlaesst und ich nach mindestens 30- stuendiger Fahrt mit zwei oder drei Umstiegen erst Mittwochmorgen in Asuncion ankuemmen wuerde, musste ich einen Flug nehmen. Hier am Flughafen lernte ich noch einen Brasilianer aus Ribeirao Preto im Bundesstaat Sao Paulo kennen, mit dem ich mich noch ein wenig unterhalten konnte. Unter anderem war er ganz erstaunt darueber, dass ich Botafogo, den Fussballverein aus seiner Stadt, kenne, welchen "nochnichtmals Brasilianer kennen".
Die einzige Gesellschaft, welche von Asuncion nach Santiago fliegt, ist die brasilianische TAM, bei welcher ich auch einen Flug fuer den Montag bekam. Billigflieger wie in Europa braucht man hier gar nicht erst zu suchen.

Wieder zurueck in der Innenstadt fielen einem neben der Antifa- Santiago auch ziemlich viele Fans von Colo Colo auf, welche fuer den fuer Sonntag angesetzten Classico am sammeln waren. Leute, die im Stadtzentrum offen ihre Zugehoerigkeit zu La U zeigen, sah ich dagegen so gut wie ueberhaupt nicht. Da ich immernoch eine Karte fuer das Spiel brauchte, fragte ich einige Fans von Colo Colo hiernach, welche mich auch direkt einluden, etwas mit ihnen zu trinken. Diese hatten aber anscheinend nicht nur fuer Eintrittskarten sondern wahrscheinlich auch ziemlich stark fuer Getraenke gesammelt, weswegen ich dann nur aus Hoeflichkeit einen Schluck Bier mit ihnen trank um dann direkt meine Karte kaufen zu gehen. Ein erfolgreicher Tag, nachdem das Rueckfahrt- Problem geloest war, war nun auch das Eintrittskarten- Problem geloest.
Nachdem ich die Eintrittskarte also beschafft hatte, ging es noch auf einen im Stadtzentrum gelegen Andenauslaeufer, von dem man eine schoene Aussicht auf eben jenes hat und sogar, ohne gross vom Smog daran gehindert zu werden, die Anden sehen kann.



17. April 2009
Um auch noch ein wenig was von Santiago mitzukriegen, verzichtete ich auf das Fussballspiel, zu welchem H96- Linke fuhr und lief ein wenig durch Santiagos Innenstadt. So machte ich eine grosse Runde ueber die Alameda, der Plaza Buquedano, Plaza de Armas und dem Centro und wieder zurueck zum Hostel, womit ich dann so gut wie den ganzen Tag beschaeftigt

war. Vor allem das Zentrum Santiagos ist ziemlich modern, wird im Volksmund auch oft in Anlehnung an einen beruehmten New Yorker Stadtteil Sanhattan genannt. Abends lief ich im Zentrum noch einer ziemlich grossen Emo- Versammlung vorbei, die sich, komplett schwarz gekleidet, auf einer Fussgaengerzone versammelt hatte.

18. April 2009Santiago de Chile - Rancagua 84 km
Da das Fussballspiel zwischen dem Verein Club Deportivo O`Higgins aus Rancagua und Audax Italia am Abend stattfinden sollte, hatte ich so noch die Moeglichkeit, mir ein wenig diese unweit Santiagos gelegene Stadt anzuschauen. Mittags ging es los und nach einer Fahrt
von ungefaehr einer Stunde erreichte ich auch schon dessen Terminal. Die Gegend um diesen war ein wenig verschlafen, so dass es mich direkt weiter Richtung Zentrum trieb. Hier war schon bedeutend mehr los, fand hier doch ein Markt statt, auf welchem aller moeglicher Ramsch verkauft wurde und auch mit einer Abwandlung vom beruehmten Huetchenspiel (nicht nur) Einheimische abgezogen wurden.An der zentralen Plaza der Stadt legte ich erstmal eine Pause ein um mich ein wenig zu staerken und zu entspannen. Hier auf dieser Plaza ist ein Denkmal aufgestellt, welches den chilenis
chen General und Unabhaengigkeitskaempfer Bernardo O`Higgins zeigt, welcher gerade auf einem Pferd reitend einen Gegner absticht. Naja, ob man ihn gerade so zeigen muss sei dann mal dahin gestellt... Die Stadt Rancagua war 1814 auch Schauort einer grossen Schlacht um die Unabanhaengigkeit Chiles von Spanien, von denen sie jedoch geschlagen worden sind. O`Higgins floh daraufhin nach Argentinien.
Insgesamt ist die Stadt jedoch nicht so interessant und hat eben bis auf jenes etwas merkwuerdig aussehende Denkmal und einige wenige andere Sachen nicht viel zu bieten, so dass es fuer mich langsam auf in Richtung Stadion ging. Club Deportivo O`Higgins - Audax Club Sportivo Italia 1:2
Primera Division
Estadio El Teniente de Rancagua
ca 4.500 Zuschauer
Dieses liegt recht zentrumnah und konnte so schnell gefunden werden. Rancagua war mit diesem Estadio auch einer der vier Standorte der in Chile ausgetragenen Weltmeisterschaft von 1962.

So kickten hier unter anderem die damals alles andere als schlechten Auswahlen Ungarns (Finalgegner Deutschlands bei der WM54) und der Tschechoslowakei (welche bei dieser WM erst im Finale an die damals schon mit Garrincha, Zagallo und einem gewissen Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pele, antretenden Brasilien scheiterten) sowie auch Englands (welche eine WM spaeter im eigenen Land Weltmeister wurden).
Vor allem die komplett aus Holz gebaute Tribuene bietet zusammen mit den im Hintergrund liegenden Anden ein sc

hoenes Bild.
Zum Intro des Spieles gab es nur vom Gast in Form einiger Fackeln ein wenig zu sehen. Das Spiel war, vor allem in der ersten Halbzeit, im Gegensatz zum Intro der Gastgeber ziemlich gut anzuschauen, so unter anderem das erste Tor von Audax. Dieses fiel nach einem Volleyschuss, welcher zuerst an den linken Innenpfosten ging, von dort an den rechten Innenpfosten und erst dann ins Tor ging. O`Higgins konnte zwar nur fuenf Minuten spaeter ausgleichen, doch in der zweiten Halbzeit schaffte Audax Italia dann das Spiel zu entscheiden.
Rancagua - Santiago de Chile 84 km
Zum Glueck standen nach Abpfiff vor dem Stadion einige Busse, von denen einer auch zum Terminal fuhr. Diesen Terminal habe ich aber anscheinend verpasst, so dass ich am Ende der letzte Passagier im Bus war. Zum Glueck war der Busfahrer aber so nett und hat mich als einzigen Passagier in seinem Bus zum Busbahnhof gefahren.
Die kurze Fahrt zurueck nach Santiago schlief ich durch, so dass ich doch recht ueberrascht an der Endstelle aufgewacht bin. Mit einer der letzten Metros ging es dann zurueck zum Hostel, welches ich auch nach einigem herumirren schlussendlich finden konnte. Bei Dunkelheit sieht alles doch ein wenig anders aus.
19. April 2009
C.d.F.P. de la Universidad de Chile - Club Deportivo Colo Colo 1:3
Primera Division
Estadio Nacional
ca 50.000 Zuschauer
Endlich war er da, der Tag mit dem von so vielen Leuten hochgelobtem Spiel zwischen Universidad de Chile und Colo Colo, dem Superclassico in Chile. Am Mittwoch habe ich ja schon mit dem Auftritt La U`s in der Copa ein sehr gutes Bild von der Kurve bekommen, so dass ich, auch gepaart mit dem in diversen

Fanzines und Internetseiten ueber dieses Spiel gelesene, mit hohen Erwartungen zu diesem Spiel aufbrach.
Gut 1,5 Stunden vor Spielbeginn war ich schon am Stadion. Um dieses zu erreichen musste ich unter anderem an ca 20 Polizeibussen vorbei, welche Stossstange an Stossstange standen um ein Aufeinandertreffen von beiden Fangruppen zu verhindern.
Schon gut eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn war die Stimmung vor allem auf Seiten La U`s ganz gut. Beeindrucken tut hier vor allem, wenn tausende gleichzeitig zu bestimmten Liedern huepfen oder auch die von tausenden getragenen Klatscheinlagen. Doch auch bei Colo Colo gab es, zumindest optisch, immer mal wieder was zu sehen. Zwischendurch wurden auch von beiden Kurven einige Fahnen der Gegenseite praesentiert.
Kurz vor Spielbeginn trug La U`s Barra "Los de Abajo" ihre im Durchmesser mindestens zwei Meter grosse Trommel sowie die zehn kleineren Trommeln, welche, wenn sie in der richtigen Reihenfolge gehalten werden, mit ihren auf dem Trommelfell aufgedruckten Buchstaben den Schriftzug "Los de Abajo" ergeben, durch den Block zu ihrem Platz.

Jetzt geht es richtig los, dachte ich, doch leider konnte Universidad de Chile beim Intro nur bedingt ueberzeugen. Bis auf einige Fahnen, Luftschlangen sowie Konfetti gab es optisch naemlich nichts, dafuer war man wirklich ohrenbetaeubend laut. Schade, hatte ich doch eigentlich mit einem aehnlichen, wenn nicht optisch sogar besserem Intro als Mittwoch beim Spiel gegen Gremio gerechnet.
Colo Colo hatte zum Intro einige schwarz- weisse Ballons sowie wenigstens einige wenige Fackeln, ueberzeugte jedoch auch eher akkustisch statt optisch.
Zu Spielbeginn waren beide Seiten sehr oft zu vernehmen, vor allem La U war immer wieder beeindruckend geschlossen und laut. Auch die zwei sehr schoen herausgespielten Gegentore, welche Colo Colo`s Kurve sehr schoen ausrasten liessen, liessen La U nur kurzzeitig etwas ruhiger werden um direkt wieder die Mannschaft beeindruckend nach vorne zu peitschen.
Nach ungefaehr 15 Minuten in der zweiten Halbzeit gab es wieder etwas Hoffnung in Form eines wieder schoen herausgespielten Treffers fuer Universidad de Chile. Die Kurve war direkt nach den Toren natuerlich wahnsinnig

klasse, was sich auch auf deren Spieler auswirkt, welche einige Chancen zum Ausgleich hatten, diese jedoch verstreichen lassen. Dies bestraft sich indem Colo Colo das Spiel mit dem Tor zum 3:1 fuer sich entscheidet. Direkt nach diesem Tor ist die Kurve der "La Garra Blanca", der Barra von Colo Colo, natuerlich wieder sehr stark, jedoch aendert sich das zum Spielende hin wieder komplett, wo La U sich, trotz der drohenden Niederlage wieder recht stark zeigt, von Colo Colo aber, trotz des Sieges im Classico, komischerweise relativ wenig zu hoeren ist. Erst am Spielende war von diesen wieder was zu hoeren, als diese anfingen, den Sieg im Classico zu feiern.
Da ich mit im Bereich des Gastgebers Universidad de Chile war, konnte ich auf Grund der hier bei solchen Spielen ueblichen Blocksperre fuer die Heimmannschaft erst nach mehr als einer halben Stunde das Stadion verlassen. Hier ausserhalb des Stadions traf ich

endlich auf H96- Linke samt einer Begleiterin. Zusammen trafen wir im Zentrum noch auf TaliJan sowie Patricio, einem "Los de Abajo"- Mitglied. Von diesem erfuhren wir auch, dass das relativ schwache Intro einigen polizeilichen Verboten auf Grund von Zwischenfaellen vom Freitag geschuldet war. So stand die Polizei auch das gesamte Spiel ueber unten im Block statt, wie normalerweise, vor diesem auf der Laufbahn.
Beide, Jan und Patricio, verliessen uns jedoch schon nach kurzer Zeit, so dass wir nur noch zu dritt uebrig blieben. Zusammen tranken wir noch ein wenig, unterhielten uns ueber Gott und die Welt, vor allem aber auch ueber Fussball und das kurz vorher gesehene Spiel. Vor allem optisch habe ich einiges mehr von diesem erwartet gehabt, doch auch trotz der Verbote herschte eine top Stimmung, was diesen Superclassico definitiv sehenswert macht.


20. April 2009
Santiago de Chile - Asuncion 1.550 km
Ein letztes Mal durfte ich noch die Smogwand Santiago`s bestaunen, danach ging es auch schon direkt zum
Flughafen, wo ich auch ohne Probleme den Check- In meistern und meinen Flug antreten konnte. Die erste Haelfte des
ungefaehr zweistuendigen Fluges schaute ich nur aus dem Fenster um die Anden aus der Luft aus zu bestaunen, der zweite Teil war dann eher von Wehmut ueber meinen Abschied aus Chile und vor allem Argentinien gepraegt. Sicherlich werden diese Abschiede aber nicht fuer ewig sein, Argentinien und Chile haben schliesslich noch ziemlich viel fuer mich zu bieten, schoene Landschaften, schoene Staedte, Fussball ohne Ende und schoene Frauen. Ich komme wieder!


