Samstag, 20. Juni 2009

Foz de Iguazu & Classico Paraguayo

Um endlich den weltberuehmten Wasserfaellen von Iguazu und dem Stadion Ciudad del Este´s einen Besuch abzustatten, kam das lange Wochenende gerade recht und so machte ich mich Donnerstagnacht auf den Weg in die mit ca 275.000 Einwohnern zweitgroesste Stadt Paraguays, welche direkt an Brasilien grenzt. Ungluecklicherweise wurde die Fahrt jedoch mitten in der Nacht durch einen mehr als unerfreulichen Zwischenfall unterbrochen, was uns zu einem laengerem Stop zwang. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit mussten wir dann in den naechsten Bus dieser Gesellschaft umsteigen, welcher dasselbe Ziel hatte. Zum Glueck war das Unfallopfer dabei schon lange in das naechstgelegene Krankenhaus transportiert worden, so dass man nur noch einige Blutlpfuetzen sehen musste. Einigen meiner Mitfahrer, die sich schon im Bus waehrend der Wartezeit meiner Meinung nach extrem daneben benommen haben und unbedingt einen Blick auf das Opfer erhaschen wollten, dabei sogar beinahe ueber meinen Schoss sprangen, haette dies aber wohl eher nicht gereicht. Abartig so etwas...
In dem Bus, in welchen wir nun notuntergebracht waren, gab es nur noch Stehplaetze fuer uns, so dass ich irgendwann gegen sieben Uhr mit ziemlicher Verspaetung und uebermuedet am Terminal von Ciudad del Este ankam. Eigentlich hatte ich geplant, vor dem etwas spaeter am Abend anstehendem Fussballspiel zwischen C.A. 3 de Febrero und Sol de America noch zum Itaipu- Staudamm, dem nach dem Drei- Schluchtenstaudamm China`s zweitgroesstem Staudamm der Welt und Paraguays ganzem Stolz (was sogar soweit fuehrt, dass er auf den 100.000 Guarani- Scheinen abgebildet ist) zu fahren, doch nachdem ich die halbe Fahrt im Stehen verbracht hatte, ging es, nachdem ich beim erstbesten Hotel eingecheckt hatte (ca 8 Euro fuer die Nacht, eigentlich okay, jedoch, wie spaeter gemerkt, mit einer defekten und damit eiskalten Dusche) direkt bis zum Mittag ins Bett. Am fruehem Nachmittag zog es mich dann in die Innenstadt, welche ich auch nach einem kleinen Umweg durch ein nicht wirklich ueberzeugendes Viertel nach gut einer halben Stund erreichte. Diese gleicht einem riesigem Markt, ueberall sind Staende aufgebaut und jeder versucht seinen Kram an den Mann/ die Frau zu bringen. Wirklich unglaublich und um einiges groesser als den hier in Asuncion kennengelernten "Mercado Quatro" oder auch dem, im Gegensatz hierzu, kleinem Markt an der Grenze zu Brasilien in Pedro Juan Caballero. Hier in CdE kann man wirklich alles bekommen, von (selbstverstaendlich zum Grossteil gefaelschten) Klamotten ueber CDs, DVDs, PS2 & Computerspielen bis hin zu Elektronikware oder Parfuems. Irgendwann wurde mir dies aber langweilig, die Haendler nervten damit, mir ihre Waren anzubieten, und so zog es mich wieder zurueck in Richtung Terminal, neben dem das Stadion vom C.A. 3 de Febrero steht.

C.A. 3 de Febrero - Club Sol de America 1:1
Primera Division
Estadio Antonio Oddone Sarubbi (La bastion del Este)
ca 80 Zuschauer

Das Spiel fand relativ wenig Zuspruch, gerade mal geschaetzte 80 Zuschauer wollten sich den Kick anschauen. Dieser hatte schon nach zwei Minuten sein erstes Highlight, nachdem ein Spieler von Sol den Ball nicht vernuenftig stoppen konnte und sein Gegenspieler auf einmal frei vor dem Tor stand und sich die Chance nicht entgehen liess, das 1:0 fuer die Gastgeber zu erzielen. Nach ungefaehr zwanzig Minuten fiel aber auch der Ausgleich, bei dem es dann auch blieb. Insgesamt hatte das Spiel, bis auf eine Reihe an Fehlern, nicht viel zu bieten, so dass ich relativ froh ueber den Abpfiff war.

Am naechsten Morgen ging es dann direkt nach dem Auschecken aus meinem Hotel zum Terminal, um einen Bus Richtung Brasilien zu finden. Als dieser schliesslich kam, meinte der Busfahrer jedoch zu uns wenigen Fahrgaesten dann aber, dass er fuer die Fahrt, welche eigentlich nur ein bisschen durch die Innenstadt von Ciudad del Este und einmal ueber die "Puente de Amistad", der "Bruecke der Freundschaft" fuehren soll, mindestens sechs Stunden brauchen wuerde, da an Samstagvormittagen die Grenze sehr belebt sei. So fuhr ich mit ihm nur bis zu einem Platz, welcher ungefaehr 200 Meter von der Grenze entfernt steht, um von dort aus zu Fuss nach Brasilien zu gehen. Hier sah ich dann auch, weshalb der Busfahrer meinte, dass er so viel Zeit zum ueberqueren der Grenze benoetigen wuerde. Die Zufahrtsstrassen zur Bruecke waren komplett ueberfuellt mit Bussen, LKWs oder Autos, vorwaerts kam man nur zu Fuss. So ging es auch fuer uns, mich und zwei Brasilianerinnen, welche ich im Bus kennengelernt hatte, weiter. Leider verlor ich diese jedoch, nachdem ich mir am paraguayischen Grenzposten meinen Ausreisestemel besorgen musste. So ging es fuer mich alleine weiter ueber die Bruecke, welche ebenfalls mit Fussgaengern ueberfuellt war, die alle, teilweise extrem mit Waren beladen, auch in die brasilianische Nachbarstadt wollten. In die Gegenrichtung, von Brasilien nach Paraguay, wollte kaum einer. Nach mehr als einer Stunde kam ich schliesslich auf der anderen Seite an und konnte die Einreiseformalitaeten zum Glueck recht schnell erledigen. Eine kurze Staerkung spaeter sass ich auch schon im Bus zum regionalem Busbahnhof um dort einen Bus, welcher direkt zu den Wasserfaellen durchfaehrt, zu nehmen. Hier, trotz meines Hinweises, dass ich brasilianische Verwandte habe und dies auch an meinem Namen sichtbar ist (welcher Deutscher heisst schon Luiz Augusto mit zweitem Vornamen? Und mein Nachname erst...), musste ich den uebertriebenen Auslaenderpreis von 15 US$ bezahlen. Nach einer weiteren kurzen Fahrt mit einem anderen Bus, diesmal durch den Park, kamen wir an einem Parkplatz an, von wo aus ein Weg zu den Wasserfaellen fuehrte. Langsam kam man immer naeher, bekam auch schon die ersten kleineren Wasserfaelle zu sehen, wo man aber auch leider schon bemerkte, dass der Fluss immernoch wenig Wasser fuehrt. Fuer jemanden wie mich, der diese bis jetzt nur von Fotos kennt, sind diese jedoch auch so immernoch beeindruckend. Nach der Garganta del Diablo, dem beruehmten Bild der Wasserfaelle, wollte ich langsam wieder zurueckgehen, doch ploetzlich hoerte ich zuerst jemanden meinen Namen rufen und ploetzlich kamen mir auf dem Steg ueberraschenderweise einige Freiwillige von AFS- Paraguay entgegen, die in Puerto Iguazu, also auf der argentinischen Seite, zusammen mit einigen Chilenen und Argentiniern, ein Camp hatten. So verbrachte ich mit ihnen noch ein bisschen Zeit an den Wasserfaellen, konnte wieder einmal sehen, dass Chileninnen wirklich nicht schlecht aussehen, und fuhr auch mit ihnen zurueck ueber die Grenze nach Paraguay. Direkt hinter der Grenze wurde ich dann aber von ihrem Reisefuehrer aus dem Bus gebeten, da ich nicht auf seiner Passagierliste stand und es somit fuer ihn bei moeglichen Kontrollen zu gefaehrlich erschien, mich weiter mit zu nehmen. So verbrachte ich noch ein wenig Zeit an den Staenden direkt an der Grenze, liess mich von einem Jose volllabern, der anscheinend schon ordentlich gebechert hatte. Irgendwann ging es dann doch Richtung Terminal und Asuncion, wo ja der Classico zwischen dem drittplatziertem Club Olimpia und dem mit sechs Punkten Vorsprung und erstplatziertem Team aus dem Barrio Obrero, Cerro Porteno auf mich wartete.



Club Olimpia - Club Cerro Porteño 2:1
Primera Division
Estadio Defensores Del Chaco
15.000 Zuschauer

Dieser Classico konnte jedoch kaum mit dem letzten, welcher erst vor zwei Monaten gespielt wurde, mithalten. Schuld daran haben unter anderem auch die Vereine, welche die Eintrittspreise fuer dieses Spiel um 10.000 Guarani, was zwar nur ungefaehr 1, 30 Euro sind, in diesem Land aber doch extrem einschlaegt, erhoeht haben, so dass ca 6.000 Zuschauer weniger als beim letzten Mal den Weg ins Nationalstadion "Defensores del Chaco" fanden.
Zu Spielbeginn praesentierten beide Seiten ihre Blockfahnen, bei Cerro gab es ausserdem noch einige blau- rote Schnipsel sowie blauen Rauch zu sehen. Waehrend des Spiels hatte Olimpia nicht nur auf dem Rasen sondern auch auf den Raengen die Oberhand, was aber nichts bedeutet, da beides relativ schlecht anzuschauen Bzw anzuhoeren war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit eskalierte auf einmal ein Streit im Bereich Cerros, welcher dazu fuehrte, dass sich die zwei groessten Fangruppen mit Flaschen und aehnlichem bewarfen. Hinterher jagte eine Gruppe die andere noch zwei-, dreimal ueber die Tribuene, bis schliesslich die Polizei aufmarschierte und sich zuerst hinter den Fans von Cerro aufstellte, spaeter zwischen den beiden zerstrittenen Gruppen positionierte.
Nach ca 70 Minuten konnte Cerro das Spiel ausgleichen, so dass sich die nun unorganisierte Tribuene des Ciclon`s noch einmal zu Wort meldete, doch keine zwei Minuten wieder verstummte, da Olimpia schon den 2:1 Siegtreffer erzielte.
Insgesamt war der Classico, trotz der eigentlich guten Ausgangslage- Cerro erster in der Tabelle, Olimpia mit sechs Punkten Abstand dritter- relativ mau, was neben den erhoehten Eintrittspreisen natuerlich auch am Streit zwischen den beiden Fangruppen Cerros liegt.


Dienstag, 9. Juni 2009

Pedro Juan Caballero, Grenze zu Brasilien

Mit ein klein wenig Verspaetung hier mal ein kleiner Bericht zur Grenzstadt Pedro Juan Caballero, wo ich Anfang Mai war.

"Pedro Juan Caballero?! Dann bring mir doch bitte einen Kilo Heroin mit." So aehnlich war (nicht nur) die Redaktion meines Gastvaters, als ich ihm sagte, dass ich ueber das Wochenende nach Pedro Juan fahren moechte. Aufgrund ihrer Lage direkt an der Grenze zu Brasilien gilt diese Stadt hier naemlich als eine DER Drogenschmugglerstaedte Paraguays.
Freitagabend vom Terminal in Asuncion losgefahren gab es schon nach hoechstens einer Stunde Fahrtzeit den ersten Zwischenfall, als zwei Sitzreihen vor mir auf einmal der Feuerloescher los ging und den kompletten Bus mit seinem orangenem Puder bedeckte. Waehrend ich ruhig blieb, geriet eine Dame hinter mir anscheinend leicht in Panik, packte ihre Sachen zusammen und war, obwohl sie nicht direkt an der Treppe zum Ausgang sass, eine der ersten, die den Bus verliess,welcher natuerlich direkt hielt. Wir alle standen nun eine gute halbe Stunde frierend am Strassenrand und versuchten uns so gut wie moeglich vom Feuerloescherstaub zu befreien, waehrend der Busfahrer zusammen mit dem zweiten Begleiter dasselbe im Bus versuchten. Wieso der Feuerloescher ploetzlich ausgeloest wurde, wurde uns jedoch nicht gesagt.
Am naechsten Tag kam ich nit ein wenig Verspaetung im Gepaeck kam ich am fruehen Samstagmorgen am kleinem Terminal Pedro Juan`s an und fand auch schnell ein nahegelegenes und vor allem preisguenstiges Hotel. Das Hotelzimmer war ueberraschend gross und sogar mit einem kleinem Fernseher ausgestattet. Negativ war jedoch, dass die "Bettdecke" doch ein wenig zu duenn war.
Kurze Zeit ausgeruht ging es spaeter auch raus um ein wenig von Pedro Juan Caballero oder deren brasilianischer Nachbarstadt Ponta Pora zu sehen. PJC erwies sich jedoch als nicht besonders interessant, so dass es mich schnell immer weiter Richtung brasilianischer Grenze zog, welche hier offen ist, man also ohne Pass- oder sonstigen Kontrollen von einem Land ins andere gehen kann. Hier sind vor allem auf paraguayischer Seite ziemlich viele Staende aufgebaut, an denen man allerlei gefaelschtes Zeug bekommt. Schoen sind hier vor allem die Staende, an denen gebrannte CDs oder DVDs verkauft werden und man sich, aufgrund der relativ guten Organisation derer, beinahe wie in einem normalem kleinem Musikgeschaeft vorkommt. Selbst im direkt an der Grenze stehendem Shoppingcenter von Pedro Juan gibt es ein Musikgeschaeft, welches nur gefaelschte CDs im Angebot hat. Gekauft habe ich von diesen Sachen dann aber letztlich doch nichts, bekomme ich diese schliesslich doch auch ohne weiteres bei mir in Asuncion. Nachdem ich in einem Supermarkt, welcher zwar noch auf paraguayischen Boden steht, die Verkaeuferinnen jedoch trotzdem groesstenteils portugiesisch sprechen, endlich wieder den guten Guarana- Antarctica kaufen konnte, auf die andere Strassenseite und zum ersten Mal nach mehr als 1 1/2 Jahren betrat ich wieder brasilianischen Boden. Gut, es war jetzt nur eine kleine, ziemlich unbekannte Grenzstadt, aber immerhin. Viel zu sehen gab es hier jedoch ebenfalls nicht, so dass ich mich doch etwas zeitiger auf den Weg zurueck nach Paraguay und dem heutigem Fussballspiel machte.

Club 2 de Mayo - Club Olimpia 2:3
Primera Division
Estadio Monumental Rio Parapiti
5.194 Zuschauer

Dieses war, entgegen meinen Erwartungen, ziemlich interessant. 2 de Mayo, welche momentan gegen den Abstieg spielen, fuehrten nach 45 Minuten ueberraschenderweise mit 2:0. Nachdem in der ersten Halbzeit schon ein Spieler des Feldes verwiesen worden ist, standen nach einer Stunde insgesamt nur noch 19 Spieler auf dem Feld, neun bei 2 de Mayo und zehn bei Olimpia. Zuerst konnte Olimpia aus dieser Uebermacht kein Kapital schlagen, doch zehn Minuten vor Ende des Spieles gelang es Olimpia, innerhalb von zwei Minuten das Spiel wieder auszugleichen. Direkt nach dem zweiten Tor der Gaeste wurde mit einem Spieler Olimpias der vierte Mann vom Platz gestellt, so dass nun beide Mannschaften mit neun Spielern auf dem Feld standen. Trotz der Schwaechung mit der gelb- roten Karte konnte Olimpia den Schwung, den sie mit den beiden Toren erhalten haben, weiter ausnutzen und schaffte es so, in der letzten Minute das Spiel komplett zu drehen und den Siegtreffer erzielen.
Waehrend des Spieles war von de 2 Mayo keine Unterstuetzung zu vernehmen, es war noch nichtmals ein Fanblock vorhanden. Die mitgereisten Olimpistas konnten im Gegensatz zur Gegenseite richtig ueberzeugen. Neben einem gut beflaggtem Zaung sowie den ueblichen Liedern, welche das ganze Spiel ueber von ihnen intoniert wurde, gab es noch die zwei bekannten, auf der Tribuene ausgebreiteten Trikotfahnen, eine Blockfahne und Mitte der ersten Halbzeit eine kleine Pyroshow mit ca 15 Fackeln zu sehen. Insgesamt wieder ein sehr ueberzeugender Auftritt Olimpias, an den die Spieler zumindest in der zweiten Halbzeit auch anknuepfen konnten.










Links Brasilien, rechts Paraguay

Dank fehlender Motivation verwarf ich am naechsten Morgen meinen Plan, mir eine weitere Stadt oder zumindest PJC und Ponta Pora weiter anzuschauen, da diese beiden Staedte, abgesehen davon, dass sie eigentlich eine einzige Stadt sind, welche in zwei Laendern liegt, doch wenig bis keine Hoehepunkte zu bieten haben. Am fruehen Nachmittag trat ich so den Rueckweg nach Asuncion an. Einen kleinen Hoehepunkt konnte diese noch bieten, da man sich mit der Landschaft auf den ersten 100- 150 km von Pedro Juan raus fast wie "In einem Land vor unserer Zeit" vorkommt, nur dass der kleine Dinosaurier Littlefoot und seinen Freunden fehlen ;)