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Samstag, 20. Juni 2009

Foz de Iguazu & Classico Paraguayo

Um endlich den weltberuehmten Wasserfaellen von Iguazu und dem Stadion Ciudad del Este´s einen Besuch abzustatten, kam das lange Wochenende gerade recht und so machte ich mich Donnerstagnacht auf den Weg in die mit ca 275.000 Einwohnern zweitgroesste Stadt Paraguays, welche direkt an Brasilien grenzt. Ungluecklicherweise wurde die Fahrt jedoch mitten in der Nacht durch einen mehr als unerfreulichen Zwischenfall unterbrochen, was uns zu einem laengerem Stop zwang. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit mussten wir dann in den naechsten Bus dieser Gesellschaft umsteigen, welcher dasselbe Ziel hatte. Zum Glueck war das Unfallopfer dabei schon lange in das naechstgelegene Krankenhaus transportiert worden, so dass man nur noch einige Blutlpfuetzen sehen musste. Einigen meiner Mitfahrer, die sich schon im Bus waehrend der Wartezeit meiner Meinung nach extrem daneben benommen haben und unbedingt einen Blick auf das Opfer erhaschen wollten, dabei sogar beinahe ueber meinen Schoss sprangen, haette dies aber wohl eher nicht gereicht. Abartig so etwas...
In dem Bus, in welchen wir nun notuntergebracht waren, gab es nur noch Stehplaetze fuer uns, so dass ich irgendwann gegen sieben Uhr mit ziemlicher Verspaetung und uebermuedet am Terminal von Ciudad del Este ankam. Eigentlich hatte ich geplant, vor dem etwas spaeter am Abend anstehendem Fussballspiel zwischen C.A. 3 de Febrero und Sol de America noch zum Itaipu- Staudamm, dem nach dem Drei- Schluchtenstaudamm China`s zweitgroesstem Staudamm der Welt und Paraguays ganzem Stolz (was sogar soweit fuehrt, dass er auf den 100.000 Guarani- Scheinen abgebildet ist) zu fahren, doch nachdem ich die halbe Fahrt im Stehen verbracht hatte, ging es, nachdem ich beim erstbesten Hotel eingecheckt hatte (ca 8 Euro fuer die Nacht, eigentlich okay, jedoch, wie spaeter gemerkt, mit einer defekten und damit eiskalten Dusche) direkt bis zum Mittag ins Bett. Am fruehem Nachmittag zog es mich dann in die Innenstadt, welche ich auch nach einem kleinen Umweg durch ein nicht wirklich ueberzeugendes Viertel nach gut einer halben Stund erreichte. Diese gleicht einem riesigem Markt, ueberall sind Staende aufgebaut und jeder versucht seinen Kram an den Mann/ die Frau zu bringen. Wirklich unglaublich und um einiges groesser als den hier in Asuncion kennengelernten "Mercado Quatro" oder auch dem, im Gegensatz hierzu, kleinem Markt an der Grenze zu Brasilien in Pedro Juan Caballero. Hier in CdE kann man wirklich alles bekommen, von (selbstverstaendlich zum Grossteil gefaelschten) Klamotten ueber CDs, DVDs, PS2 & Computerspielen bis hin zu Elektronikware oder Parfuems. Irgendwann wurde mir dies aber langweilig, die Haendler nervten damit, mir ihre Waren anzubieten, und so zog es mich wieder zurueck in Richtung Terminal, neben dem das Stadion vom C.A. 3 de Febrero steht.

C.A. 3 de Febrero - Club Sol de America 1:1
Primera Division
Estadio Antonio Oddone Sarubbi (La bastion del Este)
ca 80 Zuschauer

Das Spiel fand relativ wenig Zuspruch, gerade mal geschaetzte 80 Zuschauer wollten sich den Kick anschauen. Dieser hatte schon nach zwei Minuten sein erstes Highlight, nachdem ein Spieler von Sol den Ball nicht vernuenftig stoppen konnte und sein Gegenspieler auf einmal frei vor dem Tor stand und sich die Chance nicht entgehen liess, das 1:0 fuer die Gastgeber zu erzielen. Nach ungefaehr zwanzig Minuten fiel aber auch der Ausgleich, bei dem es dann auch blieb. Insgesamt hatte das Spiel, bis auf eine Reihe an Fehlern, nicht viel zu bieten, so dass ich relativ froh ueber den Abpfiff war.

Am naechsten Morgen ging es dann direkt nach dem Auschecken aus meinem Hotel zum Terminal, um einen Bus Richtung Brasilien zu finden. Als dieser schliesslich kam, meinte der Busfahrer jedoch zu uns wenigen Fahrgaesten dann aber, dass er fuer die Fahrt, welche eigentlich nur ein bisschen durch die Innenstadt von Ciudad del Este und einmal ueber die "Puente de Amistad", der "Bruecke der Freundschaft" fuehren soll, mindestens sechs Stunden brauchen wuerde, da an Samstagvormittagen die Grenze sehr belebt sei. So fuhr ich mit ihm nur bis zu einem Platz, welcher ungefaehr 200 Meter von der Grenze entfernt steht, um von dort aus zu Fuss nach Brasilien zu gehen. Hier sah ich dann auch, weshalb der Busfahrer meinte, dass er so viel Zeit zum ueberqueren der Grenze benoetigen wuerde. Die Zufahrtsstrassen zur Bruecke waren komplett ueberfuellt mit Bussen, LKWs oder Autos, vorwaerts kam man nur zu Fuss. So ging es auch fuer uns, mich und zwei Brasilianerinnen, welche ich im Bus kennengelernt hatte, weiter. Leider verlor ich diese jedoch, nachdem ich mir am paraguayischen Grenzposten meinen Ausreisestemel besorgen musste. So ging es fuer mich alleine weiter ueber die Bruecke, welche ebenfalls mit Fussgaengern ueberfuellt war, die alle, teilweise extrem mit Waren beladen, auch in die brasilianische Nachbarstadt wollten. In die Gegenrichtung, von Brasilien nach Paraguay, wollte kaum einer. Nach mehr als einer Stunde kam ich schliesslich auf der anderen Seite an und konnte die Einreiseformalitaeten zum Glueck recht schnell erledigen. Eine kurze Staerkung spaeter sass ich auch schon im Bus zum regionalem Busbahnhof um dort einen Bus, welcher direkt zu den Wasserfaellen durchfaehrt, zu nehmen. Hier, trotz meines Hinweises, dass ich brasilianische Verwandte habe und dies auch an meinem Namen sichtbar ist (welcher Deutscher heisst schon Luiz Augusto mit zweitem Vornamen? Und mein Nachname erst...), musste ich den uebertriebenen Auslaenderpreis von 15 US$ bezahlen. Nach einer weiteren kurzen Fahrt mit einem anderen Bus, diesmal durch den Park, kamen wir an einem Parkplatz an, von wo aus ein Weg zu den Wasserfaellen fuehrte. Langsam kam man immer naeher, bekam auch schon die ersten kleineren Wasserfaelle zu sehen, wo man aber auch leider schon bemerkte, dass der Fluss immernoch wenig Wasser fuehrt. Fuer jemanden wie mich, der diese bis jetzt nur von Fotos kennt, sind diese jedoch auch so immernoch beeindruckend. Nach der Garganta del Diablo, dem beruehmten Bild der Wasserfaelle, wollte ich langsam wieder zurueckgehen, doch ploetzlich hoerte ich zuerst jemanden meinen Namen rufen und ploetzlich kamen mir auf dem Steg ueberraschenderweise einige Freiwillige von AFS- Paraguay entgegen, die in Puerto Iguazu, also auf der argentinischen Seite, zusammen mit einigen Chilenen und Argentiniern, ein Camp hatten. So verbrachte ich mit ihnen noch ein bisschen Zeit an den Wasserfaellen, konnte wieder einmal sehen, dass Chileninnen wirklich nicht schlecht aussehen, und fuhr auch mit ihnen zurueck ueber die Grenze nach Paraguay. Direkt hinter der Grenze wurde ich dann aber von ihrem Reisefuehrer aus dem Bus gebeten, da ich nicht auf seiner Passagierliste stand und es somit fuer ihn bei moeglichen Kontrollen zu gefaehrlich erschien, mich weiter mit zu nehmen. So verbrachte ich noch ein wenig Zeit an den Staenden direkt an der Grenze, liess mich von einem Jose volllabern, der anscheinend schon ordentlich gebechert hatte. Irgendwann ging es dann doch Richtung Terminal und Asuncion, wo ja der Classico zwischen dem drittplatziertem Club Olimpia und dem mit sechs Punkten Vorsprung und erstplatziertem Team aus dem Barrio Obrero, Cerro Porteno auf mich wartete.



Club Olimpia - Club Cerro Porteño 2:1
Primera Division
Estadio Defensores Del Chaco
15.000 Zuschauer

Dieser Classico konnte jedoch kaum mit dem letzten, welcher erst vor zwei Monaten gespielt wurde, mithalten. Schuld daran haben unter anderem auch die Vereine, welche die Eintrittspreise fuer dieses Spiel um 10.000 Guarani, was zwar nur ungefaehr 1, 30 Euro sind, in diesem Land aber doch extrem einschlaegt, erhoeht haben, so dass ca 6.000 Zuschauer weniger als beim letzten Mal den Weg ins Nationalstadion "Defensores del Chaco" fanden.
Zu Spielbeginn praesentierten beide Seiten ihre Blockfahnen, bei Cerro gab es ausserdem noch einige blau- rote Schnipsel sowie blauen Rauch zu sehen. Waehrend des Spiels hatte Olimpia nicht nur auf dem Rasen sondern auch auf den Raengen die Oberhand, was aber nichts bedeutet, da beides relativ schlecht anzuschauen Bzw anzuhoeren war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit eskalierte auf einmal ein Streit im Bereich Cerros, welcher dazu fuehrte, dass sich die zwei groessten Fangruppen mit Flaschen und aehnlichem bewarfen. Hinterher jagte eine Gruppe die andere noch zwei-, dreimal ueber die Tribuene, bis schliesslich die Polizei aufmarschierte und sich zuerst hinter den Fans von Cerro aufstellte, spaeter zwischen den beiden zerstrittenen Gruppen positionierte.
Nach ca 70 Minuten konnte Cerro das Spiel ausgleichen, so dass sich die nun unorganisierte Tribuene des Ciclon`s noch einmal zu Wort meldete, doch keine zwei Minuten wieder verstummte, da Olimpia schon den 2:1 Siegtreffer erzielte.
Insgesamt war der Classico, trotz der eigentlich guten Ausgangslage- Cerro erster in der Tabelle, Olimpia mit sechs Punkten Abstand dritter- relativ mau, was neben den erhoehten Eintrittspreisen natuerlich auch am Streit zwischen den beiden Fangruppen Cerros liegt.


Dienstag, 9. Juni 2009

Pedro Juan Caballero, Grenze zu Brasilien

Mit ein klein wenig Verspaetung hier mal ein kleiner Bericht zur Grenzstadt Pedro Juan Caballero, wo ich Anfang Mai war.

"Pedro Juan Caballero?! Dann bring mir doch bitte einen Kilo Heroin mit." So aehnlich war (nicht nur) die Redaktion meines Gastvaters, als ich ihm sagte, dass ich ueber das Wochenende nach Pedro Juan fahren moechte. Aufgrund ihrer Lage direkt an der Grenze zu Brasilien gilt diese Stadt hier naemlich als eine DER Drogenschmugglerstaedte Paraguays.
Freitagabend vom Terminal in Asuncion losgefahren gab es schon nach hoechstens einer Stunde Fahrtzeit den ersten Zwischenfall, als zwei Sitzreihen vor mir auf einmal der Feuerloescher los ging und den kompletten Bus mit seinem orangenem Puder bedeckte. Waehrend ich ruhig blieb, geriet eine Dame hinter mir anscheinend leicht in Panik, packte ihre Sachen zusammen und war, obwohl sie nicht direkt an der Treppe zum Ausgang sass, eine der ersten, die den Bus verliess,welcher natuerlich direkt hielt. Wir alle standen nun eine gute halbe Stunde frierend am Strassenrand und versuchten uns so gut wie moeglich vom Feuerloescherstaub zu befreien, waehrend der Busfahrer zusammen mit dem zweiten Begleiter dasselbe im Bus versuchten. Wieso der Feuerloescher ploetzlich ausgeloest wurde, wurde uns jedoch nicht gesagt.
Am naechsten Tag kam ich nit ein wenig Verspaetung im Gepaeck kam ich am fruehen Samstagmorgen am kleinem Terminal Pedro Juan`s an und fand auch schnell ein nahegelegenes und vor allem preisguenstiges Hotel. Das Hotelzimmer war ueberraschend gross und sogar mit einem kleinem Fernseher ausgestattet. Negativ war jedoch, dass die "Bettdecke" doch ein wenig zu duenn war.
Kurze Zeit ausgeruht ging es spaeter auch raus um ein wenig von Pedro Juan Caballero oder deren brasilianischer Nachbarstadt Ponta Pora zu sehen. PJC erwies sich jedoch als nicht besonders interessant, so dass es mich schnell immer weiter Richtung brasilianischer Grenze zog, welche hier offen ist, man also ohne Pass- oder sonstigen Kontrollen von einem Land ins andere gehen kann. Hier sind vor allem auf paraguayischer Seite ziemlich viele Staende aufgebaut, an denen man allerlei gefaelschtes Zeug bekommt. Schoen sind hier vor allem die Staende, an denen gebrannte CDs oder DVDs verkauft werden und man sich, aufgrund der relativ guten Organisation derer, beinahe wie in einem normalem kleinem Musikgeschaeft vorkommt. Selbst im direkt an der Grenze stehendem Shoppingcenter von Pedro Juan gibt es ein Musikgeschaeft, welches nur gefaelschte CDs im Angebot hat. Gekauft habe ich von diesen Sachen dann aber letztlich doch nichts, bekomme ich diese schliesslich doch auch ohne weiteres bei mir in Asuncion. Nachdem ich in einem Supermarkt, welcher zwar noch auf paraguayischen Boden steht, die Verkaeuferinnen jedoch trotzdem groesstenteils portugiesisch sprechen, endlich wieder den guten Guarana- Antarctica kaufen konnte, auf die andere Strassenseite und zum ersten Mal nach mehr als 1 1/2 Jahren betrat ich wieder brasilianischen Boden. Gut, es war jetzt nur eine kleine, ziemlich unbekannte Grenzstadt, aber immerhin. Viel zu sehen gab es hier jedoch ebenfalls nicht, so dass ich mich doch etwas zeitiger auf den Weg zurueck nach Paraguay und dem heutigem Fussballspiel machte.

Club 2 de Mayo - Club Olimpia 2:3
Primera Division
Estadio Monumental Rio Parapiti
5.194 Zuschauer

Dieses war, entgegen meinen Erwartungen, ziemlich interessant. 2 de Mayo, welche momentan gegen den Abstieg spielen, fuehrten nach 45 Minuten ueberraschenderweise mit 2:0. Nachdem in der ersten Halbzeit schon ein Spieler des Feldes verwiesen worden ist, standen nach einer Stunde insgesamt nur noch 19 Spieler auf dem Feld, neun bei 2 de Mayo und zehn bei Olimpia. Zuerst konnte Olimpia aus dieser Uebermacht kein Kapital schlagen, doch zehn Minuten vor Ende des Spieles gelang es Olimpia, innerhalb von zwei Minuten das Spiel wieder auszugleichen. Direkt nach dem zweiten Tor der Gaeste wurde mit einem Spieler Olimpias der vierte Mann vom Platz gestellt, so dass nun beide Mannschaften mit neun Spielern auf dem Feld standen. Trotz der Schwaechung mit der gelb- roten Karte konnte Olimpia den Schwung, den sie mit den beiden Toren erhalten haben, weiter ausnutzen und schaffte es so, in der letzten Minute das Spiel komplett zu drehen und den Siegtreffer erzielen.
Waehrend des Spieles war von de 2 Mayo keine Unterstuetzung zu vernehmen, es war noch nichtmals ein Fanblock vorhanden. Die mitgereisten Olimpistas konnten im Gegensatz zur Gegenseite richtig ueberzeugen. Neben einem gut beflaggtem Zaung sowie den ueblichen Liedern, welche das ganze Spiel ueber von ihnen intoniert wurde, gab es noch die zwei bekannten, auf der Tribuene ausgebreiteten Trikotfahnen, eine Blockfahne und Mitte der ersten Halbzeit eine kleine Pyroshow mit ca 15 Fackeln zu sehen. Insgesamt wieder ein sehr ueberzeugender Auftritt Olimpias, an den die Spieler zumindest in der zweiten Halbzeit auch anknuepfen konnten.










Links Brasilien, rechts Paraguay

Dank fehlender Motivation verwarf ich am naechsten Morgen meinen Plan, mir eine weitere Stadt oder zumindest PJC und Ponta Pora weiter anzuschauen, da diese beiden Staedte, abgesehen davon, dass sie eigentlich eine einzige Stadt sind, welche in zwei Laendern liegt, doch wenig bis keine Hoehepunkte zu bieten haben. Am fruehen Nachmittag trat ich so den Rueckweg nach Asuncion an. Einen kleinen Hoehepunkt konnte diese noch bieten, da man sich mit der Landschaft auf den ersten 100- 150 km von Pedro Juan raus fast wie "In einem Land vor unserer Zeit" vorkommt, nur dass der kleine Dinosaurier Littlefoot und seinen Freunden fehlen ;)

Mittwoch, 1. April 2009

Jesuiten- reducciónes und Posadas- Classico

Lange hatte ich schon vor, endlich in den Sueden Paraguays zu fahren um mir dort die Ruinen der Jesuiten- reducciónes (Niederlassungen) anzuschauen. Mitte Februar, wo ich dies perfekt mit dem fuer Encarnacion so bekanntem Karneval sowie dem Posadas- Classico auf der anderen Seite des Rio Parana in Argentinien haette verbinden koennen, kam leider was dazwischen so dass ich die Reise leider verschieben musste.
Am letzten Wochenende hat es dann endlich doch geklappt. Der Blick auf den Kalender verriet zwar, dass es mit Karneval in Encarnacion nichts wird, ein Blick auf den Spielplan des "Torneo Argentino B" dann aber, dass in Posadas das Rueckspiel des Derbys gespielt wird.
Freitag Nachts machte ich mich dann so vom Busbahnhof Asuncions aus auf den Weg ins ca fuenf Stunden entfernte Encarnacion. Die Fahrt hat mich nur 40.000 Guarani (was ca sechs Euro sind) und damit 30.000 weniger als mit "La Encarnacena", der besseren Busgesellschaft auf dieser Strecke, gekostet, wobei ich dann aber im Laufe der Fahrt auch ein wenig merken durfte, woran dies lag. So hielt der Bus die ganze Fahrt ueber immer wieder in den kleinsten Orten, oft auch praktisch irgendwo im Nirgendwo, um neue Fahrgaeste aufzunehmen Bzw aussteigen zu lassen. Zwischen halb fuenf und fuenf Uhr morgens wurde dann schliesslich das Radio laut aufgedreht, an Schlaf war auf dem letzten Streckenabschnitt also nicht mehr zu denken. Insgesamt war dies alles aber doch noch ertragbar und die Musik war auch nett anzuhoeren.
Direkt nach der Ankunft ging es zum ausruhen erstmal in ein in busbahnhofnahes Hotel. Fuer 40.000 Guaranis pro Nacht gab es ein sparsam mit zwei Betten und einem kleinem Schrank sowie privatem Bad ausgestattete Zimmer, jedoch ohne Fenster und als ich den Lichtschalter betaetigen wollte, bekam ich direkt einen leichten Schock.
Gegen zehn Uhr vormittags ging es dann endlich los zu den schon seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe zaehlenden Jesuitenruinen. Paraguay war von 1610 an mehr als 100 Jahre lang ein Jesuitenstaat, bis sie letztlich 1767 von den Spaniern, welche sie als Behinderung fuer ihre eigenen Ziele ansahen, wieder vertrieben wurden.
Mit einem klapprigen Stadtbus ging es also wieder raus in das etwas noerdlich von Encarnacion gelegene Oertchen Trinidad, dessen Eingang wir auch nach ungefaehr einer dreiviertel Stunde Fahrtzeit erreichten. Kurz einmal durch den wirklich kleinen Ort gelaufen stand ich auch schon am Eingang zu den Ruinen, welche ich dann auch direkt betrat. Ich weiss nicht ob es an der Mittagshitze lag oder doch daran, dass diese Attraktion nicht so bekannt ist, auf jeden Fall war ich so ziemlich der einzige Besucher. Gut so, so konnte ich mir alles in Ruhe anschauen. Auch wenn alles schon relativ "Ruine" war, wirkte die Anlage doch recht beeindruckend. Nach einiger Zeit lernte ich Finne, einen ca 55- jaehrigen Daenen kennen, der einer der wenigen Besucher der Anlage war und mir von seinen Reisen nach Asien, Australien, Lateinamerika und Afrika erzaehlte. Vor allem Wuesten aller Art haben es ihn angetan.






Mit Finne fuhr ich dann spaeter, nachdem wir kurz in einem Hotel/ Restaurant direkt gegenueber der Ruine von Trinidad zu Mittag gegessen hatten, ins nahe gelegene Jesus, wo eine weitere erhaltene Jesuitenanlage steht. Zum Glueck mussten wir auf unseren kleinen, klapprigen Bus, welcher normalerweise wohl nur einmal in der Stunde von der Kreuzung nahe Trinidad´s nach Jesus faehrt, nur fuenf Minuten warten und konnten so recht schnell in den Genuss der nett anzuschauenden Landschaften und auch einiger Kakteen waehrend unserer ungefaehr halbstuendigen Fahrt kommen.
In Jesus, ebenfalls ein sehr kleiner Ort, wurden wir direkt vor den Ruinen rausgelassen, mussten aber trotzdem noch ein gutes Stueck zum Eingang laufen. Hier steht praktisch nur der Rest einer ca 70 Meter x 10 Meter grossen, im Vergleich zu Trinidad noch relativ gut erhaltenen Kirche sowie ein Nebengebaeude. Nachdem wir uns dies angeschaut hatten, kamen wir noch, waehrend wir auf den Bus warteten, in den Genuss eines Volleyballspiels, bei dem die Dorfbewohner entweder jedoch schon zu betrunken waren, um die Regeln richtig einzuhalten, oder nach eigenen Regeln spielten.
Zurueck in Trinidad wurde dann selber noch ein Bier getrunken und die zweite Halbzeit von Uruguay - Paraguay geguckt, bevor es dann schliesslich, nachdem ich an der Schnellstrasse eine halbe Stunde auf den Bus warten durfte, irgendwann doch wieder in Encarnacion ankam.




Am naechsten Tag wurde dann puenktlich um zehn Uhr ausgecheckt, kurz der Rucksack am Busbahnhof abgegeben und der Bus ins argentinische Posadas bestiegen. Weder an der paraguyischen noch an der argentinischen Seite der Grenze, welche jeweils auf der gegenueberliegen Uferseiten des Rio Parana liegen und durch eine Bruecke miteinander verbunden sind, hatte ich grosse Probleme, so dass ich kurze Zeit spaeter schon im Zentrum Posadas stand. Hier zog es mich ein wenig an das Flussufer, wo ich dann doch wegen der sehr hohen Temperaturen den Schatten suchte. Irgendwann machte ich mich dann doch wieder auf in Richtung Stadtzentrum, welche aber an einem Sonntag arg verschlafen wirkt. Die Plaza war leider aufgrund von Bauarbeiten auch komplett abgesperrt, so dass ich einen Bus Richtung Terminal nahm um von dort aus irgendwie nach Santa Ines und dem Posadas- Classico zu kommen.

29.03.2009
Torneo Argentino B
Club Crucero del Norte - Guarani Antonio Franco de Misiones 1:1
Estadio Andrés Guacararí
ca 4.000 Zuschauer

Hier am Busbahnhof wurde mir dann jedoch gesagt, dass an Sonntagen kaum Busse nach Santa Ines fahren wuerden und mir somit nur ein Taxi bliebe. Eine gute Stunde vor Spielbeginn und ca 50 Pesos fuer die Taxifahrt aermer (was tut man nicht alles fuer ein Fussballspiel... aber wenn man schon von Asuncion hier runter faehrt will man es dann schlussendlich nicht an teuren Taxis scheitern lassen...) war ich dann am Stadion und durfte dort, nachdem ich mir eine Karte gekauft hatte, herumlungern und abwarten, was noch so passiert. Schon nach kurzer Zeit kam eine von den beiden Barras Crucero`s auf zwei offenen Lastwagen mit ordentlich Krach, Boellerschuessen und Getrommel angefahren, kurz hiernach auch die zweite Fangruppe vom Heimverein. Anscheinend ist die Fanszene hier mehr oder weniger gespalten, es gibt zwei Gruppen ("La 22" und "La Banda de Sur"), deren Plaetze im Stadion auch schraeg gegenueber liegen, beide Gruppen also nicht zusammen stehen.
Club Crucero del Norte ist die Fussballmannschaft vom Busunternehmen "Crucero del Norte", vergleichbar also mit unseren Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg oder auch dem Dreck aus Hoffenheim. Abartig sowas und fuer mich vollkommen unverstaendlich, wie man so einen "Verein" unterstuetzen kann. Traditionslose (Bayer Leverkusen kann man hier jetzt ein wenig ausklammern, schliesslich spielen die schon laenger Bundesliga und haben Ende der 80er auch den UEFA- Cup gewonnen) Konstrukte, welche nur zu dem Zweck erschaffen worden sind, das Unternehmen bekannter zu machen, Geld zu verdienen oder gelangweilte Milliardaere zu unterhalten. ¡¡¡Gegen den modernen Fussball!!!
Eine halbe Stunde vor Anstoss zog es mich dann doch in das relativ neue, jedoch nicht gerade schoene Stadion. Nachdem beide Fangruppen vom Heimverein ihre Standorte eingenommen haben, wurde angefangen, mit den direkt neben ihrem Block stehenden Fans von Guarani Nettigkeiten, spaeter auch Wurfgeschosse auszutauschen. Daraufhin stellte sich die Polizei in den Block Cruceros und die Feuerwehr versuchte ebenfalls dadurch, dass sie Wasser auf die Fans Cruceros spritzte, die Situation zu beruhigen. Steine oder aehnliches flogen auch nicht mehr von einem Ende der Tribuene zum anderen, stattdessen versuchten jetzt ca 15 bis 20 Anhaenger Guaranis Crucero`s Block zu stuermen und wollten den Zaun zum Pufferblock einreissen. Dies gelang ihnen auch teilweise, doch nachdem zuerst nahezu die komplette zweite Crucero´s hinzugeeilt kam, fing die Feuerwehr an, auch den Bereich Guaranis abzuspritzen, so dass sich die komplette Situation nun mehr oder weniger beruhigte.
Zu Spielbeginn gab es, abgesehen von einer kurz vorher schon einmal praesentierten Blockfahne Crucero`s und ein bisschen Konfetti eigentlich keine grosseren Aktionen der beiden Fangruppen, so dass man sich direkt auf das Spiel konzentrieren konnte. Hier nahm Crucero direkt dass Heft in die Hand, konnte aber erst nach einem Elfmeter zum Ende der ersten Halbzeit hin in Fuehrung gehen. Kurz vorher wurde schon ein Spieler von Guarani nach einer gelb- roten Karte vorzeitig zum duschen geschickt. Erst in der letzten Spielminute, als letzte Aktion des Spieles gelang Guarani nach einer Ecke noch der Ausgleich.
Weder vom Spiel noch vom Stadion oder der Stimmung konnte mich dieser Classico jetzt ueberzeugen. Cruceros beide recht kleine Fangruppen hatten zwar einige Baender im Block gespannt Bzw schwenkten einige Fahnen, konnten aber trotzdem nicht wirklich gefallen. Auch Guarani konnte nur teilweise ueberzeugen. Man hatte zwar auch einige Baender im Hintertorbereich gespannt, versuchte auch wie beschrieben vor dem Spiel den Block des Gegners zu stuermen, waehrend des Spiels beteiligten sich aber leider relativ selten der komplette Block, was angesichts der Anzahl der anwesenden Hinchas von Guarani recht enttaeuschend ist.
Nach dem Spiel stand dann direkt vor dem Stadion ein Bus Richtung Posadas bereit, welcher fuer die Rueckfahrt aufgrund von Staus mehr als eine Stunde brauchte. In Posadas kam auch schliesslich direkt ein Bus nach Encarnacion, welcher mich am Terminal Encarnacions absetzte. Zwar waren die meisten Bueros der Busgesellschaften schon geschlossen, doch hier muss man sich eigentlich nur in die Mitte der "Wartehalle" stellen und schon wird man von Typen der Busgesellschaft, meistens die Fahrer selber, angesprochen, die versuchen, einem ihre Fahrten zu verkaufen. So wurde ich direkt von zweien angesprochen, 40.000 sollte der erste kosten, auf welchen ich jedoch mehr als eine Stunde warten muesste, und 50.000 der zweite, ein relativ moderner, dafuer jedoch kleiner und ohne Bad ausgestatteter Bus, der sofort faehrt. Kurz ueberlegt und dann dem zweiten den Zuschlag erteilt. Hier wurde ich auch nicht mit ultralaut eingestellter Musik belaestigt, die DVD (irgendein Adam Sandler Film) war auch nett, kannte ich aber schon und man hielt auch nicht in jedem kleinen Oertchen an, kam also relativ schnell voran. Leider war die Klimaanlage hier auch wieder einmal auf hoechstens 18 Grad eingestellt, dass naechste Mal sollte ich also nicht gerade in kurzer Hose und T- Shirt eine Busfahrt antreten.