Mittwoch, 1. April 2009

Jesuiten- reducciónes und Posadas- Classico

Lange hatte ich schon vor, endlich in den Sueden Paraguays zu fahren um mir dort die Ruinen der Jesuiten- reducciónes (Niederlassungen) anzuschauen. Mitte Februar, wo ich dies perfekt mit dem fuer Encarnacion so bekanntem Karneval sowie dem Posadas- Classico auf der anderen Seite des Rio Parana in Argentinien haette verbinden koennen, kam leider was dazwischen so dass ich die Reise leider verschieben musste.
Am letzten Wochenende hat es dann endlich doch geklappt. Der Blick auf den Kalender verriet zwar, dass es mit Karneval in Encarnacion nichts wird, ein Blick auf den Spielplan des "Torneo Argentino B" dann aber, dass in Posadas das Rueckspiel des Derbys gespielt wird.
Freitag Nachts machte ich mich dann so vom Busbahnhof Asuncions aus auf den Weg ins ca fuenf Stunden entfernte Encarnacion. Die Fahrt hat mich nur 40.000 Guarani (was ca sechs Euro sind) und damit 30.000 weniger als mit "La Encarnacena", der besseren Busgesellschaft auf dieser Strecke, gekostet, wobei ich dann aber im Laufe der Fahrt auch ein wenig merken durfte, woran dies lag. So hielt der Bus die ganze Fahrt ueber immer wieder in den kleinsten Orten, oft auch praktisch irgendwo im Nirgendwo, um neue Fahrgaeste aufzunehmen Bzw aussteigen zu lassen. Zwischen halb fuenf und fuenf Uhr morgens wurde dann schliesslich das Radio laut aufgedreht, an Schlaf war auf dem letzten Streckenabschnitt also nicht mehr zu denken. Insgesamt war dies alles aber doch noch ertragbar und die Musik war auch nett anzuhoeren.
Direkt nach der Ankunft ging es zum ausruhen erstmal in ein in busbahnhofnahes Hotel. Fuer 40.000 Guaranis pro Nacht gab es ein sparsam mit zwei Betten und einem kleinem Schrank sowie privatem Bad ausgestattete Zimmer, jedoch ohne Fenster und als ich den Lichtschalter betaetigen wollte, bekam ich direkt einen leichten Schock.
Gegen zehn Uhr vormittags ging es dann endlich los zu den schon seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe zaehlenden Jesuitenruinen. Paraguay war von 1610 an mehr als 100 Jahre lang ein Jesuitenstaat, bis sie letztlich 1767 von den Spaniern, welche sie als Behinderung fuer ihre eigenen Ziele ansahen, wieder vertrieben wurden.
Mit einem klapprigen Stadtbus ging es also wieder raus in das etwas noerdlich von Encarnacion gelegene Oertchen Trinidad, dessen Eingang wir auch nach ungefaehr einer dreiviertel Stunde Fahrtzeit erreichten. Kurz einmal durch den wirklich kleinen Ort gelaufen stand ich auch schon am Eingang zu den Ruinen, welche ich dann auch direkt betrat. Ich weiss nicht ob es an der Mittagshitze lag oder doch daran, dass diese Attraktion nicht so bekannt ist, auf jeden Fall war ich so ziemlich der einzige Besucher. Gut so, so konnte ich mir alles in Ruhe anschauen. Auch wenn alles schon relativ "Ruine" war, wirkte die Anlage doch recht beeindruckend. Nach einiger Zeit lernte ich Finne, einen ca 55- jaehrigen Daenen kennen, der einer der wenigen Besucher der Anlage war und mir von seinen Reisen nach Asien, Australien, Lateinamerika und Afrika erzaehlte. Vor allem Wuesten aller Art haben es ihn angetan.






Mit Finne fuhr ich dann spaeter, nachdem wir kurz in einem Hotel/ Restaurant direkt gegenueber der Ruine von Trinidad zu Mittag gegessen hatten, ins nahe gelegene Jesus, wo eine weitere erhaltene Jesuitenanlage steht. Zum Glueck mussten wir auf unseren kleinen, klapprigen Bus, welcher normalerweise wohl nur einmal in der Stunde von der Kreuzung nahe Trinidad´s nach Jesus faehrt, nur fuenf Minuten warten und konnten so recht schnell in den Genuss der nett anzuschauenden Landschaften und auch einiger Kakteen waehrend unserer ungefaehr halbstuendigen Fahrt kommen.
In Jesus, ebenfalls ein sehr kleiner Ort, wurden wir direkt vor den Ruinen rausgelassen, mussten aber trotzdem noch ein gutes Stueck zum Eingang laufen. Hier steht praktisch nur der Rest einer ca 70 Meter x 10 Meter grossen, im Vergleich zu Trinidad noch relativ gut erhaltenen Kirche sowie ein Nebengebaeude. Nachdem wir uns dies angeschaut hatten, kamen wir noch, waehrend wir auf den Bus warteten, in den Genuss eines Volleyballspiels, bei dem die Dorfbewohner entweder jedoch schon zu betrunken waren, um die Regeln richtig einzuhalten, oder nach eigenen Regeln spielten.
Zurueck in Trinidad wurde dann selber noch ein Bier getrunken und die zweite Halbzeit von Uruguay - Paraguay geguckt, bevor es dann schliesslich, nachdem ich an der Schnellstrasse eine halbe Stunde auf den Bus warten durfte, irgendwann doch wieder in Encarnacion ankam.




Am naechsten Tag wurde dann puenktlich um zehn Uhr ausgecheckt, kurz der Rucksack am Busbahnhof abgegeben und der Bus ins argentinische Posadas bestiegen. Weder an der paraguyischen noch an der argentinischen Seite der Grenze, welche jeweils auf der gegenueberliegen Uferseiten des Rio Parana liegen und durch eine Bruecke miteinander verbunden sind, hatte ich grosse Probleme, so dass ich kurze Zeit spaeter schon im Zentrum Posadas stand. Hier zog es mich ein wenig an das Flussufer, wo ich dann doch wegen der sehr hohen Temperaturen den Schatten suchte. Irgendwann machte ich mich dann doch wieder auf in Richtung Stadtzentrum, welche aber an einem Sonntag arg verschlafen wirkt. Die Plaza war leider aufgrund von Bauarbeiten auch komplett abgesperrt, so dass ich einen Bus Richtung Terminal nahm um von dort aus irgendwie nach Santa Ines und dem Posadas- Classico zu kommen.

29.03.2009
Torneo Argentino B
Club Crucero del Norte - Guarani Antonio Franco de Misiones 1:1
Estadio Andrés Guacararí
ca 4.000 Zuschauer

Hier am Busbahnhof wurde mir dann jedoch gesagt, dass an Sonntagen kaum Busse nach Santa Ines fahren wuerden und mir somit nur ein Taxi bliebe. Eine gute Stunde vor Spielbeginn und ca 50 Pesos fuer die Taxifahrt aermer (was tut man nicht alles fuer ein Fussballspiel... aber wenn man schon von Asuncion hier runter faehrt will man es dann schlussendlich nicht an teuren Taxis scheitern lassen...) war ich dann am Stadion und durfte dort, nachdem ich mir eine Karte gekauft hatte, herumlungern und abwarten, was noch so passiert. Schon nach kurzer Zeit kam eine von den beiden Barras Crucero`s auf zwei offenen Lastwagen mit ordentlich Krach, Boellerschuessen und Getrommel angefahren, kurz hiernach auch die zweite Fangruppe vom Heimverein. Anscheinend ist die Fanszene hier mehr oder weniger gespalten, es gibt zwei Gruppen ("La 22" und "La Banda de Sur"), deren Plaetze im Stadion auch schraeg gegenueber liegen, beide Gruppen also nicht zusammen stehen.
Club Crucero del Norte ist die Fussballmannschaft vom Busunternehmen "Crucero del Norte", vergleichbar also mit unseren Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg oder auch dem Dreck aus Hoffenheim. Abartig sowas und fuer mich vollkommen unverstaendlich, wie man so einen "Verein" unterstuetzen kann. Traditionslose (Bayer Leverkusen kann man hier jetzt ein wenig ausklammern, schliesslich spielen die schon laenger Bundesliga und haben Ende der 80er auch den UEFA- Cup gewonnen) Konstrukte, welche nur zu dem Zweck erschaffen worden sind, das Unternehmen bekannter zu machen, Geld zu verdienen oder gelangweilte Milliardaere zu unterhalten. ¡¡¡Gegen den modernen Fussball!!!
Eine halbe Stunde vor Anstoss zog es mich dann doch in das relativ neue, jedoch nicht gerade schoene Stadion. Nachdem beide Fangruppen vom Heimverein ihre Standorte eingenommen haben, wurde angefangen, mit den direkt neben ihrem Block stehenden Fans von Guarani Nettigkeiten, spaeter auch Wurfgeschosse auszutauschen. Daraufhin stellte sich die Polizei in den Block Cruceros und die Feuerwehr versuchte ebenfalls dadurch, dass sie Wasser auf die Fans Cruceros spritzte, die Situation zu beruhigen. Steine oder aehnliches flogen auch nicht mehr von einem Ende der Tribuene zum anderen, stattdessen versuchten jetzt ca 15 bis 20 Anhaenger Guaranis Crucero`s Block zu stuermen und wollten den Zaun zum Pufferblock einreissen. Dies gelang ihnen auch teilweise, doch nachdem zuerst nahezu die komplette zweite Crucero´s hinzugeeilt kam, fing die Feuerwehr an, auch den Bereich Guaranis abzuspritzen, so dass sich die komplette Situation nun mehr oder weniger beruhigte.
Zu Spielbeginn gab es, abgesehen von einer kurz vorher schon einmal praesentierten Blockfahne Crucero`s und ein bisschen Konfetti eigentlich keine grosseren Aktionen der beiden Fangruppen, so dass man sich direkt auf das Spiel konzentrieren konnte. Hier nahm Crucero direkt dass Heft in die Hand, konnte aber erst nach einem Elfmeter zum Ende der ersten Halbzeit hin in Fuehrung gehen. Kurz vorher wurde schon ein Spieler von Guarani nach einer gelb- roten Karte vorzeitig zum duschen geschickt. Erst in der letzten Spielminute, als letzte Aktion des Spieles gelang Guarani nach einer Ecke noch der Ausgleich.
Weder vom Spiel noch vom Stadion oder der Stimmung konnte mich dieser Classico jetzt ueberzeugen. Cruceros beide recht kleine Fangruppen hatten zwar einige Baender im Block gespannt Bzw schwenkten einige Fahnen, konnten aber trotzdem nicht wirklich gefallen. Auch Guarani konnte nur teilweise ueberzeugen. Man hatte zwar auch einige Baender im Hintertorbereich gespannt, versuchte auch wie beschrieben vor dem Spiel den Block des Gegners zu stuermen, waehrend des Spiels beteiligten sich aber leider relativ selten der komplette Block, was angesichts der Anzahl der anwesenden Hinchas von Guarani recht enttaeuschend ist.
Nach dem Spiel stand dann direkt vor dem Stadion ein Bus Richtung Posadas bereit, welcher fuer die Rueckfahrt aufgrund von Staus mehr als eine Stunde brauchte. In Posadas kam auch schliesslich direkt ein Bus nach Encarnacion, welcher mich am Terminal Encarnacions absetzte. Zwar waren die meisten Bueros der Busgesellschaften schon geschlossen, doch hier muss man sich eigentlich nur in die Mitte der "Wartehalle" stellen und schon wird man von Typen der Busgesellschaft, meistens die Fahrer selber, angesprochen, die versuchen, einem ihre Fahrten zu verkaufen. So wurde ich direkt von zweien angesprochen, 40.000 sollte der erste kosten, auf welchen ich jedoch mehr als eine Stunde warten muesste, und 50.000 der zweite, ein relativ moderner, dafuer jedoch kleiner und ohne Bad ausgestatteter Bus, der sofort faehrt. Kurz ueberlegt und dann dem zweiten den Zuschlag erteilt. Hier wurde ich auch nicht mit ultralaut eingestellter Musik belaestigt, die DVD (irgendein Adam Sandler Film) war auch nett, kannte ich aber schon und man hielt auch nicht in jedem kleinen Oertchen an, kam also relativ schnell voran. Leider war die Klimaanlage hier auch wieder einmal auf hoechstens 18 Grad eingestellt, dass naechste Mal sollte ich also nicht gerade in kurzer Hose und T- Shirt eine Busfahrt antreten.