Mittwoch, 15. Oktober 2008

Durch die Pampa und zurueck...

Vor einigen Wochen hatte ich in der Zeitung gelesen, dass Gilberto Gil an diesem Freitag ein Konzert hier in Asuncion geben wuerde. Genial, hingehen ist Pflicht, hab ich mir zuerst gedacht, nur fiel mein Blick erst danach auf die Eintrittspreise, bei denen ich einen "leichten" Schock bekam: 220.000 Guarani, also mal eben locker ein bisschen mehr als 30 Euro, fuer die billigste Kategorie!!! Da mein Gastbruder am Freitag auch wieder einen Termin bei seinem Kieferorthopaeden in Formosa, Argentinien, hatte, bat mir mein Gastvater ein mitte der Woche an, nach Argentinien mitzukommen, wo ich auch spontan zusagte. Das Konzert schied also aus, was aber angesichts der Eintrittspreise aber auch nicht weiter schlimm war.
Freitag ging es dann direkt nach der Arbeit los nach Formosa, einer Stadt mit ca 200.000 Einwohnern, die in unmittelbarer Naehe zur Grenze Paraguays liegt. Aus diesem Grund war auf der Strecke, vor allem in Argentinien, alle paar Kilometer eine Kontrollstation der Polizei. Die Fahrt war, abgesehen von einem gut anzuschauendem Sonnenuntergang, nicht besonders Ereignissreich, es ging die ganze Zeit durch die Pampa, einem Gebiet, wo echt kilometerweit nichts ist, keine Berge, kein Ort, keine Stadt, nichts... Leider wurde die Strecke Abends bei anbrechender Dunkelheit zurueckgelegt, so dass ich von der Landschaft nicht viel mitbekam.
In Formosa ging es direkt zum Kieferorthopaeden (welcher um halb acht abends noch Patienten empfing!), wo ich direkt von zwei Jugendlichen angesprochen wurde, ob ich denn aus New York kommen wuerde, ich "sehe ja nicht wie ein Argentinier aus". Fragt mich nicht wie die beiden jetzt ausgerechnet auf New York kamen... In Paraguay ist mir sowas bis jetzt noch nicht passiert, weder wurde ich als New Yorker noch sonst wie bezeichnet. Nach dem Termin sind wir direkt weiter nach Resistencia zu der Mutter meines Gastvaters zu fahren, wo wir die Nacht verbracht haben. Am naechsten Tag gab es fuer mich in Corrientes, der Nachbarstadt Resistencia, am naechsten Tag auch endlich wieder ordentlich Fleisch zu essen. Asado nennt sich dies, bei dem unter anderem auch die Innereien des Tieres verspeist werden. Egal, klasse, Fleisch! ;) Im neu aufgemachten Shoppingcenter (den Dinger kann ich immernoch nicht all zu viel abgewinnen), wo ordentlich huebsche Frauen rumliefen, habe ich auch eine Art Getraenkeautomat gesehen, bei dem man seine Thermoskanne gegen wenige Pesos mit heissem Wasser fuer seinen Mate auffuellen kann. Hier in Argentinien wird naemlich, im Gegensatz zu Paraguay, der Mate heiss und nicht eiskalt als Terere getrunken. Das spanisch der Argentinier wird auch ein bisschen schneller als das der Paraguayis (so richtig?) gesprochen und das beruehmte "Che" durfte ich auch oft hoeren. Samstagabends ging es dann auch wieder zurueck nach Formosa, wieder zu Verwandten meiner Gastfamilie. Viel sehen von Resistencia oder Corrientes konnte ich jetzt leider nicht, doch Resistencia hat ja einen groesseren Fussballverein, Corrientes sogar deren zwei, welche mich zu weiteren Besuchen einladen, Bzw im Fall des Corrientes- Resistencia Classicos beinahe zu einem Besuch zwingen ;), von daher werde ich bestimmt noch Gelegenheiten bekommen, mir die beiden Staedte ein bisschen besser anzuschauen. Corrientes zB ist eine der aeltesten Staedte Argentiniens, in Resistencia stehen in der ganzen Stadt mal so eben ungefaehr 500 Skulpturen, lohnen wuerde es sich also auf jeden Fall.
Da der Neffe meines Gastvaters Besitzer einer Disco in Formosa ist, hatte ich nicht nur freien Eintritt, sondern auch die Getraenke frei, was bis in die fruehen Morgenstunden zusammen mit Carlos sowie Pablo, einem anderen Neffen von ihm und Fernando, dem Besitzer, ausgenutzt wurde.
Am Sonntag war Formosa so gut wie ausgestorben, die Strassen alle leer, kaum Leute unterwegs. Ich entschied mich dann dagegen, ein bisschen durch die Stadt zu laufen, die wohl eh wenig zu bieten hat, oder mir eine Moebelmesse anzuschauen und vernahm so mit Freuden, dass ein Argentino B- Spiel zwischen Sol de America aus Formosa gegen Guarani Antonio Franco aus Posada heute stattfinden sollte. Am Eingang habe ich erst die falsche Karte gekauft, Platea bedeutete hier in diesem Fall naemlich, dass man einen ueberdachten Sitzplatz und keinen Stehplatz wie in Paraguay (oder auch bei Gilberto Gil) hat, doch diese konnte ich ohne Probleme wieder umtauschen. Zum Glueck, kann ich da nur sagen, es gibt naemlich bestimmt schoeneres als bei ca 35 Grad zwei Stunden in der prallen Sonne rumzusitzen. Zu Spielbeginn fanden sich dann ungefaehr 400 Leute im Stadion ein. Auf der Gegenseite hatte sich eine kleine, ca 30- koepfige Fangruppe zusamengetan, die zu Spielbeginn zwei grosse Blockfahnen praesentierten und auch sonst das ganze Spiel ueber melodische Lieder sang und am rumhuepfen war, besonders angsichts der herschenden Temperaturen ziemlich gut. Das Spiel hingegen musste dem doch schon mehr Tribut zollen, da dies nicht gut anzuschauen war. Mitte der zweiten Halbzeit wurden innerhalb kurzer Zeit zwei Spieler Guaranis vom Platz gestellt, doch Sol konnte daraus keinen Nutzen ziehen und musste sich nach einem Konter sogar beinahe ein Tor fangen. Guarani probierte es auch zweimal mit Weitschuessen aus ca 40 Metern, der eine klatschte an den Pfosten, der andere landete im Tor, doch das Spiel war schon unterbrochen. Am Ende blieb es beim 0:0. Die fuenf wirklichen Gaeste kamen erst Mitte der zweiten Halbzeit, doch ausser gelegentliches Trommeln war nichts von ihnen zu vernehmen. Vor dem Stadion fuhr nach dem Spiel noch die Barra von Sol in einem offenem Lastwagen an mir vorbei, netter Anblick ;)
Zurueck nach Asuncion ging es dann wieder durch die Pampa, immer geradeaus, nur unterbrochen von den Kontrollstationen, bei denen man aber in der Regel nur durchgewunken wird.

Samstag, 4. Oktober 2008

Barrio Santisima Trinidad

Samstag wollte ich eigentlich unter anderem in den Jardin Botanico, welcher sich im Stadtteil Trinidad befindet, doch da es morgens noch stark am regnen war, liess ich dies ausfallen und fuhr erst spaeter los.
Erste Anlaufstelle in Trinidad war die 1854 erbaute "Iglesia Santisima Trinidad". Diese wurde wohl langsam fuer eine Hochzeit vorbereitet, doch nachdem ich meine Schuhe sauber gemacht hatte durfte ich sie trotzdem besichtigen.



Hiernach wollte ich mir die Gedenkstaette zur "Ycuá"- Katastrophe vom 1. August 2004 anschauen, bei der der es im grossen Ycua- Supermarkt infolge von nicht oder nur geringfuehig beachteten Sicherheitsmassnahmen zwei grosse Explosionen gab und so ca 400 Menschen sterben mussten und sich ca 500 teilweise schwer verletzten.
Zuerst jedoch wurde ich in die falsche Richtung geschickt, wo mir auch erst die dritte Person, bei der ich mich noch einmal nach dem richtigen Weg erkundigte, weiterhelfen konnte. Dies war jetzt aber nicht weiter schlimm, ich hatte ja noch ordentlich Zeit und konnte mir so also noch ein bisschen den Stadtteil anschauen. Heftig auch hier wieder der Kontrast: die Person, die mir letztenendes den richtigen Weg zeigen konnte, wohnte naemlich wohl in einer der (wenigen) Baracken, keine 150 Meter weiter steht aber schon wieder eine "groessere" Villa rum.
Ca zwei Strassenviertel hinter der Iglesia Santisima Trinidad stand ich dann endlich vor der Gedenkstaette.
Hier zeugen heute noch Graffitis und sonstige Spruehereien (wie zum Beispiel ein "Contra toda autoridad" oder auch "Sequestro- 25 anos, 400 muertos- 5 anos?") davon, dass man mit dem Urteil nicht einverstanden ist und darin keine Gerechtigkeit sieht, da der Besitzer, sein Sohn sowie der Sicherheitschef zu gerade einmal fuenf Jahren Haft verurteilt wurden, obwohl mindestens 25 Jahre gefordert waren. Dieses Urteil fuehrte hinterher wohl auch zu heftigen Ausschreitungen in Asuncion.
Die eigentliche Gedenkstaette, zwei Raeume, in denen Angehoerige unter anderem Bilder ihrer verstorbenen Verwandten ausgehaengt haben, konnte ich nicht betreten, sie waren beide verschlossen. Ein beklemmendes Gefuehl ist es allemal, an einem Ort zu stehen an dem hunderte Menschen auf einmal ihr Leben lassen mussten, alles nur weil an den falschen Stellen gespart wurde...
Insgesamt wird dieser Ort aber anscheinend etwas verwahrlost. In dem Teil, der frueher wohl als Parkhaus genutzt wurde, befand sich naemlich praktisch eine riesige Pfuetze und der restliche Ueberrest des Supermarktes wird hoechstwahrcheinlich auch als Schlafstaette genutzt, in einer Nische war naemlich jemand noch, oder schon wieder, am schlafen.
Die Redensart, dass man "seinen August hat", wenn es einem schlecht geht oder eine schlechte Zeit durchmacht, gab es hier schon vor dieser Katastrophe, duerften jetzt aber viele mit eben jenem Ereigniss verbinden...


Nachdem ich noch einmal um den Strassenblock des Supermarktes gegangen bin, habe ich mich langsam zum Stadion des Zweitligisten Rubio Ñu aufgemacht, der heute sein entscheidendes Spiel um den Aufstieg in die erste Liga gegen Sportivo Iteño zu bestreiten hatte. Dementsprechend voll (offiziell knapp 3.000 Zuschauer) war das Stadion auch, doch abgesehen vom Intro, bei dem beinahe im ganzen Stadion verteilt Papierschnippsel und gruen-weisse Ballons geworfen sowie ausserhalb des Stadions ein kleines Feuerwerk abgebrannt wurde, war ich von der Stimmung doch etwas enttaeuscht. Die Barra versuchte zwar bei sich im Bereich das ganze Spiel ueber mit den ueblichen Liedern Stimmung zu verbreiten, leider bestand diese aber gerade mal aus hoechstens 20 Leuten. So konnten diese mich jetzt nur optisch mit ihren paar Zaunfahnen und groesseren Baendern sowie drei oder vier Leuten, die sich beinahe das ganze Spiel ueber auf dem mindestens drei Meter hohem Zaun befanden, ansatzweise ueberzeugen. Erst zum Ende des Spiels wurde es richtig laut als das ganze Stadion einige, leider einfache, Lieder sang und so den Aufstieg feierte. Das Spiel hingegen war eigentlich ganz angenehm anzuschauen. Es ging zwar nur 0:0 aus, was aber eher am mangeldem Glueck statt an mangelden Chancen lag. So wurde Rubios Ball unter anderem zweimal von Verteidigern Iteños knapp vor der Linie weggehauen, der Torwart war dabei beide Male schon geschlagen, und einmal ging der Ball nach einem Kopfball an die Latte.
Rubio spielte beide Halbzeiten uebrigens mit verschiedenen Trikotsaetzen, was wahrscheinlich daran lag, dass die Trikots doch zu nass und dreckig waren, hatte ja den Morgen ueber ja schon ordentlich geregnet. Vielleicht hatte man in der Halbzeit aber auch doch einen Sponsor finden koennen, der erste Satz war naemlich noch ohne Trikotsponsor... Die Schiedsrichter in Deutschland haetten da wohl etwas gegen gehabt, wie wahrscheinlich auch dagegen, dass ein Hund mitte der ersten Halbzeit dreimal einfach so aufs Feld laufen kann und dagegen nichts unternommen wird. Ganz im Gegenteil, bei den ersten beiden Malen wurde einfach weitergespielt. Erst als der Hund dann anfing den Ball zu jagen, ihn letztlich gekriegt hat und so die Partie doch "etwas" beeinflussen konnte, wurde die Partie doch kurz abgebrochen :D
Nach Abpfiff gabs dann noch einen schoenen Platzsturm, wobei die Polizei wahrscheinlich selber nicht wusste, wie sie denn nun reagieren soll, ob verhindern oder nicht oder was auch immer.
Nachdem viele Spieler bis auf ihre Unterwaesche alle Klamotten abgeben "mussten" feierten sie auch noch lange mit den Fans, ich hingegen machte mich wieder auf den Weg zurueck nach Hause.