Samstag, 4. Oktober 2008

Barrio Santisima Trinidad

Samstag wollte ich eigentlich unter anderem in den Jardin Botanico, welcher sich im Stadtteil Trinidad befindet, doch da es morgens noch stark am regnen war, liess ich dies ausfallen und fuhr erst spaeter los.
Erste Anlaufstelle in Trinidad war die 1854 erbaute "Iglesia Santisima Trinidad". Diese wurde wohl langsam fuer eine Hochzeit vorbereitet, doch nachdem ich meine Schuhe sauber gemacht hatte durfte ich sie trotzdem besichtigen.



Hiernach wollte ich mir die Gedenkstaette zur "Ycuá"- Katastrophe vom 1. August 2004 anschauen, bei der der es im grossen Ycua- Supermarkt infolge von nicht oder nur geringfuehig beachteten Sicherheitsmassnahmen zwei grosse Explosionen gab und so ca 400 Menschen sterben mussten und sich ca 500 teilweise schwer verletzten.
Zuerst jedoch wurde ich in die falsche Richtung geschickt, wo mir auch erst die dritte Person, bei der ich mich noch einmal nach dem richtigen Weg erkundigte, weiterhelfen konnte. Dies war jetzt aber nicht weiter schlimm, ich hatte ja noch ordentlich Zeit und konnte mir so also noch ein bisschen den Stadtteil anschauen. Heftig auch hier wieder der Kontrast: die Person, die mir letztenendes den richtigen Weg zeigen konnte, wohnte naemlich wohl in einer der (wenigen) Baracken, keine 150 Meter weiter steht aber schon wieder eine "groessere" Villa rum.
Ca zwei Strassenviertel hinter der Iglesia Santisima Trinidad stand ich dann endlich vor der Gedenkstaette.
Hier zeugen heute noch Graffitis und sonstige Spruehereien (wie zum Beispiel ein "Contra toda autoridad" oder auch "Sequestro- 25 anos, 400 muertos- 5 anos?") davon, dass man mit dem Urteil nicht einverstanden ist und darin keine Gerechtigkeit sieht, da der Besitzer, sein Sohn sowie der Sicherheitschef zu gerade einmal fuenf Jahren Haft verurteilt wurden, obwohl mindestens 25 Jahre gefordert waren. Dieses Urteil fuehrte hinterher wohl auch zu heftigen Ausschreitungen in Asuncion.
Die eigentliche Gedenkstaette, zwei Raeume, in denen Angehoerige unter anderem Bilder ihrer verstorbenen Verwandten ausgehaengt haben, konnte ich nicht betreten, sie waren beide verschlossen. Ein beklemmendes Gefuehl ist es allemal, an einem Ort zu stehen an dem hunderte Menschen auf einmal ihr Leben lassen mussten, alles nur weil an den falschen Stellen gespart wurde...
Insgesamt wird dieser Ort aber anscheinend etwas verwahrlost. In dem Teil, der frueher wohl als Parkhaus genutzt wurde, befand sich naemlich praktisch eine riesige Pfuetze und der restliche Ueberrest des Supermarktes wird hoechstwahrcheinlich auch als Schlafstaette genutzt, in einer Nische war naemlich jemand noch, oder schon wieder, am schlafen.
Die Redensart, dass man "seinen August hat", wenn es einem schlecht geht oder eine schlechte Zeit durchmacht, gab es hier schon vor dieser Katastrophe, duerften jetzt aber viele mit eben jenem Ereigniss verbinden...


Nachdem ich noch einmal um den Strassenblock des Supermarktes gegangen bin, habe ich mich langsam zum Stadion des Zweitligisten Rubio Ñu aufgemacht, der heute sein entscheidendes Spiel um den Aufstieg in die erste Liga gegen Sportivo Iteño zu bestreiten hatte. Dementsprechend voll (offiziell knapp 3.000 Zuschauer) war das Stadion auch, doch abgesehen vom Intro, bei dem beinahe im ganzen Stadion verteilt Papierschnippsel und gruen-weisse Ballons geworfen sowie ausserhalb des Stadions ein kleines Feuerwerk abgebrannt wurde, war ich von der Stimmung doch etwas enttaeuscht. Die Barra versuchte zwar bei sich im Bereich das ganze Spiel ueber mit den ueblichen Liedern Stimmung zu verbreiten, leider bestand diese aber gerade mal aus hoechstens 20 Leuten. So konnten diese mich jetzt nur optisch mit ihren paar Zaunfahnen und groesseren Baendern sowie drei oder vier Leuten, die sich beinahe das ganze Spiel ueber auf dem mindestens drei Meter hohem Zaun befanden, ansatzweise ueberzeugen. Erst zum Ende des Spiels wurde es richtig laut als das ganze Stadion einige, leider einfache, Lieder sang und so den Aufstieg feierte. Das Spiel hingegen war eigentlich ganz angenehm anzuschauen. Es ging zwar nur 0:0 aus, was aber eher am mangeldem Glueck statt an mangelden Chancen lag. So wurde Rubios Ball unter anderem zweimal von Verteidigern Iteños knapp vor der Linie weggehauen, der Torwart war dabei beide Male schon geschlagen, und einmal ging der Ball nach einem Kopfball an die Latte.
Rubio spielte beide Halbzeiten uebrigens mit verschiedenen Trikotsaetzen, was wahrscheinlich daran lag, dass die Trikots doch zu nass und dreckig waren, hatte ja den Morgen ueber ja schon ordentlich geregnet. Vielleicht hatte man in der Halbzeit aber auch doch einen Sponsor finden koennen, der erste Satz war naemlich noch ohne Trikotsponsor... Die Schiedsrichter in Deutschland haetten da wohl etwas gegen gehabt, wie wahrscheinlich auch dagegen, dass ein Hund mitte der ersten Halbzeit dreimal einfach so aufs Feld laufen kann und dagegen nichts unternommen wird. Ganz im Gegenteil, bei den ersten beiden Malen wurde einfach weitergespielt. Erst als der Hund dann anfing den Ball zu jagen, ihn letztlich gekriegt hat und so die Partie doch "etwas" beeinflussen konnte, wurde die Partie doch kurz abgebrochen :D
Nach Abpfiff gabs dann noch einen schoenen Platzsturm, wobei die Polizei wahrscheinlich selber nicht wusste, wie sie denn nun reagieren soll, ob verhindern oder nicht oder was auch immer.
Nachdem viele Spieler bis auf ihre Unterwaesche alle Klamotten abgeben "mussten" feierten sie auch noch lange mit den Fans, ich hingegen machte mich wieder auf den Weg zurueck nach Hause.




Montag, 29. September 2008

Asuncion & Cacupe: Kontrastprogramm

Am Wochenende war mit der Grossstadt Asuncion und seinem Stadtzentrum am Samstag sowie dem kleinem Ort Cacupe am Sonntag ein bisschen Kontrastprogramm angesagt.
Da mich samstagnachmittag leicht die Langeweile plagte und es, wie ich zuerst dachte, am naechsten Morgen beim Blick in die Zeitung jedoch eines besseren belehrt wurde, keine interessanten Fussballspiele gab, machte ich mich irgendwann zuerst auf zum Stadion von Cerro Porteno und von dort langsam, wie schon ein paar Tage vorher, auf ins Stadtzentrum. So bin ich dann von der Plaza Uruguay ueber den anderen groesseren Platz Asuncions mit seinem "Panteon" am Kongress Paraguays vorbeigegangen und stand auf einmal vor dem Praesidentenpalast. Da ich von dem bisher nur die Strassenseite gesehen habe, wollte ich mir die Vorderseite davon anschauen und bin beinahe in den Slum gerannt, der direkt neben diesem Gebaeude steht! Schon ein sehr heftiger Kontrast... Nach dem Praesidentenpalast bin ich weiter zum alten Regierungspalast sowie dem stillgelegtem Bahnhofs Asuncion gegangen, welcher einer der aeltesten Bahnhoefe Suedamerikas ist, heute jedoch nur noch fuer Konzerte, Maerkte und aehnlichem genutzt wird. Insgesamt war das Stadtzentrum jedoch ziemlich leer und wirkte beinahe wie ausgestorben.





Sonntag bin ich dann mit einem Teil meiner Familie sowie Mischa, den wir kurz vor der Abfahrt doch noch erreichen konnten, wieder nach Cacupe zum Wochenendhaus meiner Gasteltern gefahren. Hat sich auch echt gelohnt, endlich mal wieder raus aus der Stadt und ein bisschen in der Natur spazieren gehen, frische Luft atmen, schwimmen... Das Fussballspiel zwischen Deutschland und Paraguay hat der Gast auch mit 11:9 fuer sich entschieden, wobei der "Heimvorteil" Paraguays, welches aus meinen beiden Gastbruedern bestannt, damit ausgeglichen wurde, dass Deutschland, also Mischa und ich, insgesamt gute zehn Jahre aelter sind ;)