Vor einigen Wochen hatte ich in der Zeitung gelesen, dass Gilberto Gil an diesem Freitag ein Konzert hier in Asuncion geben wuerde. Genial, hingehen ist Pflicht, hab ich mir zuerst gedacht, nur fiel mein Blick erst danach auf die Eintrittspreise, bei denen ich einen "leichten" Schock bekam: 220.000 Guarani, also mal eben locker ein bisschen mehr als 30 Euro, fuer die billigste Kategorie!!! Da mein Gastbruder am Freitag auch wieder einen Termin bei seinem Kieferorthopaeden in Formosa, Argentinien, hatte, bat mir mein Gastvater ein mitte der Woche an, nach Argentinien mitzukommen, wo ich auch spontan zusagte. Das Konzert schied also aus, was aber angesichts der Eintrittspreise aber auch nicht weiter schlimm war.
Freitag ging es dann direkt nach der Arbeit los nach Formosa, einer Stadt mit ca 200.000 Einwohnern, die in unmittelbarer Naehe zur Grenze Paraguays liegt. Aus diesem Grund war auf der Strecke, vor allem in Argentinien, alle paar Kilometer eine Kontrollstation der Polizei. Die Fahrt war, abgesehen von einem gut anzuschauendem Sonnenuntergang, nicht besonders

Ereignissreich, es ging die ganze Zeit durch die Pampa, einem Gebiet, wo echt kilometerweit nichts ist, keine Berge, kein Ort, keine Stadt, nichts... Leider wurde die Strecke Abends bei anbrechender Dunkelheit zurueckgelegt, so dass ich von der Landschaft nicht viel mitbekam.
In Formosa ging es direkt zum Kieferorthopaeden (welcher um halb acht abends noch Patienten empfing!), wo ich direkt von zwei Jugendlichen angesprochen wurde, ob ich denn aus New York kommen wuerde, ich "sehe ja nicht wie ein Argentinier aus". Fragt mich nicht wie die beiden jetzt ausgerechnet auf New York kamen... In Paraguay ist mir sowas bis jetzt noch nicht passiert, weder wurde ich als New Yorker noch sonst wie bezeichnet. Nach dem Termin sind wir direkt weiter nach Resistencia zu der Mutter meines Gastvaters zu fahren,

wo wir die Nacht verbracht haben. Am naechsten Tag gab es fuer mich in Corrientes, der Nachbarstadt Resistencia, am naechsten Tag auch endlich wieder ordentlich Fleisch zu essen. Asado nennt sich dies, bei dem unter anderem auch die Innereien des Tieres verspeist werden. Egal, klasse, Fleisch! ;) Im neu

aufgemachten Shoppingcenter (den Dinger kann ich immernoch nicht all zu viel abgewinnen), wo ordentlich huebsche Frauen rumliefen, habe ich auch eine Art Getraenkeautomat gesehen, bei dem man seine Thermoskanne gegen wenige Pesos mit heissem Wasser fuer seinen Mate auffuellen kann. Hier in Argentinien wird naemlich, im Gegensatz zu Paraguay, der Mate heiss und nicht eiskalt als Terere getrunken. Das spanisch der Argentinier wird

auch ein bisschen schneller als das der Paraguayis (so richtig?) gesprochen und das beruehmte "Che" durfte ich auch oft hoeren. Samstagabends ging es dann auch wieder zurueck nach Formosa, wieder zu Verwandten meiner Gastfamilie. Viel sehen von Resistencia oder Corrientes konnte ich jetzt leider nicht, doch Resistencia hat ja einen groesseren Fussballverein, Corrientes sogar deren zwei, welche mich zu weiteren Besuchen einladen, Bzw im Fall des Corrientes- Resistencia Classicos beinahe zu einem Besuch zwingen ;), von daher werde ich bestimmt noch Gelegenheiten bekommen, mir die beiden Staedte ein bisschen besser anzuschauen. Corrientes zB ist eine der aeltesten Staedte Argentiniens, in Resistencia stehen in der ganzen Stadt mal so eben ungefaehr 500 Skulpturen, lohnen wuerde es sich also auf jeden Fall.
Da der Neffe meines Gastvaters Besitzer einer Disco in Formosa ist, hatte ich nicht nur freien Eintritt, sondern auch die Getraenke frei, was bis in die fruehen Morgenstunden zusammen mit Carlos sowie Pablo, einem anderen Neffen von ihm und Fernando, dem Besitzer, ausgenutzt wurde.
Am Sonntag war Formosa so gut wie ausgestorben, die Strassen alle leer, kaum Leute unterwegs. Ich entschied mich dann dagegen, ein bisschen durch die Stadt zu laufen, die wohl eh wenig zu bieten hat, oder mir eine Moebelmesse anzuschauen und vernahm so mit Freuden, dass ein Argentino B- Spiel zwischen Sol de America aus Formosa gegen Guarani Antonio Franco aus Posada heute stattfinden sollte. Am Eingang habe ich erst die falsche Karte gekauft, Platea bedeutete hier in diesem Fall naemlich, dass man einen ueberdachten Sitzplatz und keinen Stehplatz wie in Paraguay (oder auch bei Gilberto Gil) hat, doch diese konnte ich ohne Probleme wieder umtauschen. Zum Glueck, kann ich da nur sagen, es gibt naemlich bestimmt schoeneres als bei ca 35 Grad zwei Stunden in der prallen Sonne rumzusitzen. Zu Spielbeginn fanden sich

dann ungefaehr 400 Leute im Stadion ein. Auf der Gegenseite hatte sich eine kleine, ca 30- koepfige Fangruppe zusamengetan, die zu Spielbeginn zwei grosse Blockfahnen praesentierten und auch sonst das ganze Spiel ueber melodische Lieder sang und am rumhuepfen war, besonders angsichts der herschenden Temperaturen ziemlich gut. Das Spiel hingegen musste dem doch

schon mehr Tribut zollen, da dies nicht gut anzuschauen war. Mitte der zweiten Halbzeit wurden innerhalb kurzer Zeit zwei Spieler Guaranis vom Platz gestellt, doch Sol konnte daraus keinen Nutzen ziehen und musste sich nach einem Konter sogar beinahe ein Tor fangen. Guarani probierte es auch zweimal mit Weitschuessen aus ca 40 Metern, der eine klatschte an den Pfosten, der andere landete im Tor, doch das Spiel war schon unterbrochen. Am Ende blieb es beim 0:0. Die fuenf wirklichen Gaeste kamen erst Mitte der zweiten Halbzeit, doch ausser gelegentliches Trommeln war nichts von ihnen zu vernehmen. Vor dem Stadion fuhr nach dem Spiel noch die Barra von Sol in einem offenem Lastwagen an mir vorbei, netter Anblick ;)
Zurueck nach Asuncion ging es dann wieder durch die Pampa, immer geradeaus, nur unterbrochen von den Kontrollstationen, bei denen man aber in der Regel nur durchgewunken wird.
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